Die koloniale Geschichte der Schweiz wurde lange Zeit kaum erforscht und blieb in der öffentlichen Wahrnehmung weitgehend unsichtbar. Erst in jüngerer Vergangenheit ist sie verstärkt in den Fokus wissenschaftlicher Diskurse, gesellschaftlicher Debatten und künstlerischer Auseinandersetzungen gerückt.
«Visual/Text» erprobt, wie lineare Archivtexte in interaktive, multimediale Visualisierungen übersetzt werden können. Im Zentrum steht das «Caricom Compilation Archive» des Historikers Hans Fässler, das mit rund 71’600 Wörtern die kolonialen Verstrickungen der Schweiz dokumentiert. Mithilfe von maschinellem Lernen und Techniken des Natural Language Processing wurden Akteur:innen, Orte, Daten und Ereignisse erschlossen und miteinander verknüpft. Eine grossflächige Projektion ermöglicht es Betrachter:innen, einen Überblick über das gesamte Archiv zu gewinnen, während ein synchronisierter Bildschirm Einblick in spezifische Textstellen ermöglicht. Ein eigens entwickelter Controller ermöglicht es, beide Elemente der Installation zu steuern, und lädt dazu ein, eigene Wege durch das Material zu gehen. Durch die mediale Verbindung von Close und Distant Reading greift die Arbeit aktuelle Fragestellungen aus der Forschung auf und liefert einen innovativen Ansatz zum kritisch-visuellen Umgang mit historischen Materialien.
Die Arbeit von Fiona Zellweger wurde mit dem Chapeau! Preis für die beste schriftliche BA-Arbeit sowie dem Förderpreis Alumni für die beste praktische BA-Arbeit 2025 der Hochschule Luzern – Design Film Kunst ausgezeichnet.