Über 400 Millionen Menschen können sich im europäischen Schengenraum über eine Fläche von 4 Millionen Quadratkilometern zwischen 27 Ländern frei bewegen. Diese beeindruckende Freiheit steht in starkem Kontrast zu den Aussengrenzen des EU- und Schengenraums.
Seit 1993 wurden insgesamt sechzehn physische Grenzbarrieren an den Aussengrenzen des Schengenraums errichtet, mit dem Ziel, die Einreise flüchtender Menschen zu verhindern. Sie ziehen sich vom Westen Europas bis in den östlichsten Teil des Kontinents. Diese Barrieren sind kurz, 200 Meter in Norwegen, oder lang, 502 Kilometer in Litauen, bestehen manchmal aus einfachem Maschendrahtzaun, manchmal aus 10 Meter hohen, stahlverstärkten Barrieren, die unter Strom stehen. Dazu kommen moderne Überwachungstechnologien wie Videokameras, Sensoren und Drohnen.
Eine ganzheitliche Untersuchung dieser Grenzen, ihrer physischen Ausmasse, Kosten und Entstehungsgeschichte fehlt bislang. Der Taschenatlas «Borderland» versucht, diese Lücke zu schliessen: Durch investigative Recherche und die Analyse von OSINT-Daten (Open Source Intelligence), wie bspw. Satellitenbildern, konnten alle Grenzmauern umfassend dokumentiert und visualisiert werden. Der Atlas zeichnet das Bild eines abgeschotteten Europas und lädt zur Reflexion über seine Grenzen und deren menschliche Auswirkungen ein.
Ausgezeichnet mit dem Förderpreis der Zeugindesign-Stiftung 2024.