Die Idee dazu kam vom Bruttonationalglück aus Bhutan, einem Land, das nicht nur wirtschaftlichen Erfolg misst, sondern auch das Wohlbefinden der Menschen. Der ursprüngliche Plan: ein digitales, token-basiertes System, das freiwilliges Engagement sichtbar macht und wertschätzt. Ob dafür überhaupt Bedarf besteht, prüften Tim Weingärtner und Michael Doerk mit einer Befragung von rund 94 Personen am Campus.
Das Ergebnis: Digitale Belastung ist real, 92,6% erleben ihren Alltag als stark digital geprägt. Doch als Lösung wünschten sich die Befragten etwas anderes als ein digitales Anerkennungssystem. Am wichtigsten war ihnen: Ruhe. 63% nannten einen ruhigen Rückzugsort auf dem Campus als grössten Wunsch. Und bei der Anerkennung selbst sagten sie klar: freiwillig ja, aber ohne Ranglisten, Vergleiche oder Leistungsdruck.
Rund 94 Personen, überwiegend Studierende (ca. 85%), ergänzt durch Mitarbeitende und Dozierende, beantworteten eine Umfrage; zusätzlich fanden mehrere Fokusgruppen statt:
- Digitale Belastung ist real: 92,6% erleben ihren Alltag als stark digital geprägt. Ablenkung durch Benachrichtigungen und ständige Erreichbarkeit belasten sie am meisten, nicht die Technik selbst.
- Gemeinschaft wirkt als stärkste Ressource: Das Gefühl von Zugehörigkeit hilft mehr gegen Überlastung als jede Einzelmassnahme.
- Ruhe schlägt Anerkennung: Die Befragten nennen Zugang zu Ruhe- und Rückzugsorten als attraktivsten Mehrwert (63%) – deutlich vor jeder Form von digitaler Wertschätzung.
- Klares Nein zu Wettbewerb: Die Befragten lehnen Ranglisten, öffentliche Vergleiche oder Leistungsdruck praktisch einhellig ab. Sie akzeptieren Anerkennung nur, wenn sie freiwillig, diskret und nicht-materiell bleibt.
- Bruttonationalglück (Gross National Happiness, GNH) als Denkanstoss, nicht als Vorlage: Die Teilnehmenden erleben den Bezug zu Bhutan als inspirierend, aber nicht direkt übertragbar. Er braucht eine lokale Übersetzung, kein Copy-Paste.
Die Vorstudie empfiehlt deshalb, statt eines digitalen Belohnungssystems zunächst als «Campus Wellbeing Initiative» einfache, konkrete Massnahmen umzusetzen: Ruheräume, klare Zeiten ohne Mails, Momente der Achtsamkeit im Studienalltag. Das Living Lab klärt derzeit, ob und wie diese Empfehlungen umgesetzt werden können. Ein digitales Anerkennungssystem bleibt als optionales, freiwilliges Modul für eine spätere Phase denkbar.
Bericht
Der Bericht dokumentiert die vollständigen Ergebnisse, die Methodik und die Umfragedaten: