Die Bedeutung von internationalen Netzwerken
Einer der wertvollsten Aspekte der Studienwoche war die Gelegenheit, tragfähige internationale Beziehungen aufzubauen. Studierende aus der Schweiz und aus Bitola arbeiteten während der ganzen Woche zusammen und tauschten dabei Perspektiven, Erfahrungen und Lösungswege aus. Von Anfang an herrschte eine offene, von Neugier geprägte Atmosphäre, wodurch sich die Zusammenarbeit trotz aller kultureller und professioneller Unterschiede sehr natürlich anfühlte.
Was mir besonders auffiel, war die Verbindlichkeit des Netzwerkens. Es ging nicht nur darum, Kontakte zu sammeln, sondern zu verstehen, wie andere denken, was sie antreibt und wie sie mit Herausforderungen umgehen. Teamwork, die Arbeit in Workshops und informelle Gespräche schufen ganz natürlich Vertrauen. Dieses wiederum stärkte die Zusammenarbeit und verbesserte überdies die Produktivität.
Die interkulturellen Mahlzeiten und Abendprogramme waren besonders wichtig für die Entstehung dieser Beziehungen. Ein besonders unvergesslicher Moment war ein Abend auf einem Weingut in Ohrid, wo wir in einer warmen Atmosphäre in einem von einer Familie betriebenen Restaurant lokal gekelterten Wein und traditionelles Bio-Essen geniessen durften. Durch das kulturelle Flair fühlte sich die Erfahrung persönlich und authentisch an. Mir wurde klar, dass internationale Beziehungspflege besonders wertvoll ist, wenn daraus tragfähige Beziehungen entstehen, die auf Offenheit, Respekt und gemeinsamen Erfahrungen beruhen.
Leadership gestalten
Eine weitere entscheidende Erkenntnis aus der Studienwoche war, wie Leadership entsteht. Vor meiner Ankunft in Bitola hatte ich damit gerechnet, etwas über die Herausforderungen eines kleineren unternehmerischen Ökosystems zu lernen. Was mich aber am meisten beeindruckte, war die Entschlossenheit und Vision der lokalen Gründer:innen und Geschäftsleute. Sie warten nicht auf perfekte Rahmenbedingungen: Sie arbeiten mit den ihnen zu Verfügung stehenden Mitteln und zeigen grosses Engagement.
Das zeigte mir, dass Leadership nicht nur eine Funktion von Titeln, Grossunternehmen und entwickelten Märkten ist. Sie entsteht durch Haltung, Resilienz und die Bereitschaft, trotz Einschränkungen Opportunitäten zu schaffen. Wir trafen viele Unternehmer:innen, die sich bewusst dafür entschieden, in Bitola zu bleiben und in ihre Region zu investieren. Das ist starke Leadership: der Glaube an das Potential einer Region und die Bereitschaft, in deren langfristige Entwicklung zu investieren.
Leadership zeigte sich im Verlauf der Woche auch in der Praxis: Gründer:innen, die überzeugend ihre Projekte vorstellten, Dozierende, die lösungsorientiert Diskussionen leiteten, und Studierende, die in ihren Teams Initiative zeigten. Mein Eindruck war, dass Leadership gedeiht durch Handeln, Verantwortung zeigen und Hartnäckigkeit.
Internationales Unternehmertum in der Praxis
Die Studienwoche bot eine praktische Sicht auf das internationale Unternehmertum. Statt Betriebswirtschaft nur theoretisch zu diskutieren, arbeiteten wir direkt mit KMU und Start-ups. Ich lernte dabei, dass Unternehmertum eng mit den jeweiligen Rahmenbedingungen verknüpft ist: lokale Märkte, das Verhalten der Konsumierenden, institutionelle Unterstützung und die verfügbaren Mittel entscheiden zusammen, wie sich ein Unternehmen entwickelt. Die Prinzipien der Wertschöpfung, Anpassungsfähigkeit und Kommunikation hingegen gelten überall.
Meine Gruppe arbeitete mit Vivido Shop, ein Start-up, das sich um Mode und Lifestyle-Produkte dreht. Unsere Aufgabe war, Business- und Marketingstrategien zu entwickeln, die das künftige Wachstum des Unternehmens fördern sollen. Zwar konnte die Gründerin selbst nicht vor Ort anwesend sein und musste deshalb online an den Besprechungen teilnehmen, aber das half uns auch, besonders klar zu kommunizieren, unabhängiger zu arbeiten und die begrenzte Zeit optimal zu nutzen.
In meiner Rolle beschäftigte ich mich vor allem mit Marketingmanagement, aber ich durfte auch zu übergeordneten strategischen Diskussionen beitragen. Ich schlug Ideen vor, die authentisch, emotional ansprechend und finanziell realistisch sind für ein Start-up mit begrenzten Mitteln. Statt teurer Werbekampagnen erwog ich günstige und organische Herangehensweisen mit dem Ziel, mit der Zeit die Sichtbarkeit der Marke zu verbessern. Ich regte ausserdem an, dass Vivido Shop eine Zusammenarbeit mit Studierenden der Uni Bitola in Betracht zieht. Dies wäre gleichermassen nützlich für die Firma und für junge Business-Profis aus der Gegend.
Aktive Teilnahme und Einsicht in Systeme
Ein besonders wichtiger Aspekt der Woche war der hohe Beteiligungsgrad, der von allen erwartet wurde. Wir waren keine passiven Zuschauer:innen: Wir brachten uns ein in Workshops, Gruppengesprächen, Unternehmensanalysen und Schlusspräsentationen. Dies machte die Erfahrung noch wertvoller für uns, denn wir mussten kritisch Denken, klar kommunizieren und unsere Ideen in Empfehlungen für echte Unternehmen übersetzen.
Dieser Prozess verbesserte überdies mein Verständnis dafür, wie verschiedene Systeme funktionieren. Ich sah, wie mit dem Zusammenspiel zwischen akademischen Institutionen, lokalen Geschäften und internationaler Zusammenarbeit bedeutsame Ziele erreicht werden können. In der Woche ging es nicht nur um das individuelle Lernen, sondern darum, den Zusammenhang zwischen Bildung, Unternehmertum und Regionalentwicklung zu verstehen. Besonders in kleineren Märkten können Netzwerke, Vertrauen und Initiative entscheidend sein dafür, wie schnell Ideen umgesetzt werden können.
Diese These wurde auch von den Schlusspräsentationen gestützt. Innert kürzester Zeit musste jede Gruppe ihre Beobachtungen, ihr Teamwork und ihre Analysen in eine professionelle Empfehlung einfliessen lassen. Der entsprechende Prozess zeigte, wie aktive Teilnahme tiefes Lernen ermöglicht und ein fundiertes Verständnis dafür schaffen kann, wie Systeme in der Praxis funktionieren.
Schlussbetrachtungen
Die International Study Week in Bitola war weit mehr als ein Kurs. Die Woche war eine Mischung aus Leadership, Unternehmertum, Netzwerken und kulturellem Austausch, die nicht nur der Praxis verpflichtet war, sondern sich auch zutiefst menschlich anfühlte. Sie erinnerte mich daran, dass internationale Zusammenarbeit am stärksten ist, wenn Menschen offen bleiben für verschiedene Perspektiven und aktiv auf gemeinsame Ziele hinarbeiten.
Vor allem zeigte mir die Woche aber, dass Unternehmertum nicht begrenzt ist durch Geografie. Ehrgeiz, Innovation und Leadership können überall gedeihen, sofern Menschen bereit sind, in sich selbst, ihre Gemeinschaft und einander zu investieren. Diese Erkenntnis aus Bitola nehme ich sehr gerne mit.
Wer hat geschrieben:
Mehmeti Drin, Masterstudent (Master of Science in Business Administration, Major Business Innovation and Entrepreneurship), 19. Mai 2026
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