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  5. Kolumne April 2021 in der Luzerner Zeitung zum Thema Stadtentwicklung
21. April 2021

Kolumne April 2021 in der Luzerner Zeitung zum Thema Stadtentwicklung

Das CCTP veröffentlicht eine Reihe von Kolumnen in der Luzerner Zeitung zum Thema Stadtentwicklung. In der April-Kolumne erklärt Prof. Dr. Peter Schwehr von der Hochschule Luzern, warum das ökologische Einfamilienhaus ein Mythos ist und bleibt.

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Kolumne in der Luzerner Zeitung

Der geplatzte Traum vom Eigenheim 

Die Menschen aus Hamburg sind für ihre zurückhaltende Art bekannt. Doch nun kommt aus dem Norden Deutschlands ein Aufschrei der Entrüstung, der so gar nicht zu den kühlen Hanseaten passt. Der Grund: In bestimmten Stadtteilen Hamburgs dürfen künftig keine neuen Einfamilienhäuser mehr gebaut werden. Das eigene Haus als sinnstiftende Vollendung des Lebensziels vieler hart schaffender und lebenslang sparender beziehungsweise abzahlender Menschen scheint bedroht zu sein.

Das Einfamilienhaus: Wie gemacht für die Zeit der Pandemie

Das Leben im Einfamilienhaus (EFH) ist nach wie vor für viele Teile der Bevölkerung die beliebteste Wohnform und erlebt in Zeiten von Corona einen Höhenflug. Der Garten um das Haus sorgt für die notwendige Distanz zum Nachbarn, zufällige Begegnungen sind so gut wie ausgeschlossen, denn sie werden zuvor abgemacht. Die grosszügigen Flächen schaffen die notwendige Flexibilität für unterschiedliche Nutzungen, bieten ausreichend Stauraum und schliesslich kann ich in meinem Haus zu jeder Tages- und Nachtzeit tun und lassen, was ich will. Streit um Grenzabstände, Höhe der Hecken oder um den Lärm des Rasenmähers werden mit Hilfe der Rechtsschutzversicherung geklärt und nicht zu vergessen: Das eigene Haus schafft Status und Anerkennung.

Trotz aller Bemühungen nicht nachhaltig

Aus Sicht einer nachhaltigen Stadtentwicklung jedoch spielt das EFH trotz hoher Medienpräsenz eher in der zweiten Liga. Viel Fläche für wenig Personen und hohe Investitionskosten in Infrastruktur, wie zum Beispiel in die Erschliessung durch eine Strasse oder der Anschluss an die Kanalisation machen das EFH zu einem ineffizienten Gebäudetypus. Neu erschlossene EFH-Gebiete fördern die Zersiedelung und Pendlerströme und tragen nicht zu einer nachhaltigen Stadtentwicklung bei. Auch Pelletheizungen, Solaranlagen auf dem Dach und eine zertifizierte Holzfassade können daran nichts ändern. Das ökologische EFH ist und bleibt ein Mythos!

Die Fronten scheinen verhärtet zu sein. Während den Kritikern des EFH eine ideologische Nähe zu ostdeutschen Plattenbausiedlungen unterstellt wird, werden Eigenheimbesitzende als elitäres, nicht gesellschaftsfähiges Klientel abgetan. Es ist Zeit, diese Fronten aufzuweichen und das Dazwischen zu suchen: nämlich EFH-Qualitäten im Mehrfamilienhaus. Während der Kern des EFH die Abgrenzung ist, wird in diesen neuen Typologien ein Mix aus individualisiertem Wohnen und justierbarem nachbarschaftlichen Miteinander angestrebt. Dabei spielen Themen wie der eigene Aussenbereich oder auch der private Zugang zur Wohnung eine zentrale Rolle. Ich habe die Möglichkeit, mit meinen Nachbarn in Kontakt zu treten, muss es aber nicht. Dabei übernimmt der Aussenraum eine wichtige Funktion ein. Er ermöglicht Raum für spontane und geplante Begegnungen genauso wie nur ungestört in der Sonne zu sitzen.

Gute Beispiele als Botschafter

Ein weiterer Vorteil dieser Wohnform ist es, dass im Unterschied zu einem gebauten Einfamilienhaus die Wohnung nicht alles leisten muss. Zusätzliche Flächen für Homeoffice oder die Beherbergung von Gästen übernehmen geteilte Räume innerhalb des Gebäudes oder der Siedlung. Dadurch bin ich flexibel, nutze nur dann die Räume, wenn ich sie auch wirklich brauche. Das entlastet zusätzlich auch noch mein Portemonnaie.

Obwohl diese Konzepte bereits erforscht sind und auch erfolgreich umgesetzt werden, sind sie noch lange nicht Standard. Mit Innovationen tun sich die Baubranche wie auch Behörden halt immer noch schwer. Aber anstelle eines Verbotes benötigen wir Baureglemente und Verordnungen, die Innovationen ermöglichen, statt zu behindern. Investoren, die bereit sind, neue Wege zu gehen und Risiken zu tragen. Je erfolgreicher diese Wohnkonzepte sich durchsetzen, umso mehr wirken sie als Botschafter einer neuen Kultur des Wohnens und machen das EFH auch ohne Verbot obsolet. Zu wünschen wäre es.

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Mehr zum Thema

  • Luzerner Zeitung: Artikel Online

  • Luzerner Zeitung, Download Kolumne April 2021

    (127.3 KB) .PDF 

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Kategorie: News
CC Typologie & Planung in Architektur, Institut für Architektur IAR, Technik & Architektur
Themen: Architektur, Bau, Gebäude als System, Immobilien, Nachhaltigkeit, Suffizienz, Transformation, Gemeinde-, Stadt- und Regionalentwicklung, Soziales

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Prof. Dr. Peter Schwehr

Leiter CC Typologie & Planung in Architektur

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