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  5. Kolumne #2 in der Luzerner Zeitung zum Thema Stadtentwicklung
10. Oktober 2018

Kolumne #2 in der Luzerner Zeitung zum Thema Stadtentwicklung

Das CCTP veröffentlicht eine Reihe von Gastbeiträgen in der Luzerner Zeitung zum Thema Stadtentwicklung. Der zweite Beitrag behandelt bezahlbaren Wohnraum, Leerstand und Rendite und wurde vom Leiter des CCTP Peter Schwehr verfasst.

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Artikel in der Luzerner Zeitung

Das Spiel mit dem Feuer


In der Gastkolumne zur Stadtentwicklung in der Luzerner Zeitung schreibt Peter Schwehr von der Hochschule Luzern über die Leerwohnungsziffer – und wieso es die staatliche Wohnungsbauförderung braucht.

«Bauboom trotz leerer Wohnungen!» – so empören sich die Schweizer Medien. Als Indiz für die Nachfrage-Ebbe wird die steigende Leerstandsquote herangezogen, der zufolge zurzeit auf 100 Wohnungen 1,62 Wohnungen leer stehen. Die Experten aus der Immobilienbranche gehen davon aus, dass die Mieten unter Druck geraten und sinken werden. Aus Sicht der Mieterinnen und Mieter könnte man sich also freuen; das Gesetz von Angebot und Nachfrage scheint zu greifen.

Weit gefehlt! Denn was für Wohnungen stehen leer? An welchen Orten liegen sie? Und vor allem: Was kosten sie? Sie stehen nicht in den grossen Städten und sie sind für Normalsterbliche nicht bezahlbar. Sinn und Zweck dieser Immobilien ist es, die grösstmögliche Rendite zu erwirtschaften. So heissen sie auch folgerichtig: Renditeliegenschaften.

Es liegt in der Natur der Sache, dass Renditeliegenschaften dem Gesetz eines bestimmten Marktes ausgesetzt sind und sich im Wettbewerb befinden. Einem Wettbewerb, von dem allerdings weder die Städte noch ihre Bewohnerinnen und Bewohner etwas haben. Denn Renditeliegenschaften spielen erwartungsgemäss in der oberen Preis-Liga.

Alleine schon aus diesem Grund ist es absurd, wenn gefordert wird, auf staatliche Wohnungsbauförderung zu verzichten. Denn bezahlbarer Wohnraum in der Stadt ist je länger je mehr Mangelware. Hier ist die Wohnungspolitik gefordert. Städtischen Boden für Renditeliegenschaften privater Investoren zu veräussern, gefährdet eine sozial und baulich nachhaltige Entwicklung. Wie kann eine Stadt ihre Entwicklung steuern und auf die Bedürfnisse der Bewohner eingehen, wenn ihr der Boden nicht mehr gehört? Wer garantiert die Qualität neuer Bauten? Was geschieht, wenn sich diese Wohnungen oder ganze Quartiere nicht vermieten lassen?

Für die Investoren stellen die Leerstände kaum ein Risiko dar, weil allein schon der Wert des Bodens den finanziellen Verlust kompensiert. Der Verlust an Lebensqualität jedoch geht zu Lasten der Stadt. Ein Phänomen, dessen Folgen sich in Berlin gerade in aller Deutlichkeit beobachten lassen. Wollen wir also Zustände wie in Berlin, London oder in anderen grossen Städten haben, wo breite Bevölkerungsgruppen sich die Stadt nicht mehr leisten können?

«No justice, no peace.» Das Recht auf bezahlbaren Wohnraum sichert sozialen Frieden und gewährleistet eine durchmischte Stadt. Wer mit dem Grundrecht Wohnen spekuliert, spielt mit dem Feuer und muss sich nicht wundern, wenn er sich die Finger verbrennt. Überlässt die Stadt ihren Boden dem freien Markt, so bezahlen ihre Bewohnerinnen und Bewohner den Preis.

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Mehr zum Thema

  • Luzerner Zeitung: Artikel Online

  • Luzerner Zeitung, Download Gastkommentar #2

    (6.5 MB) .PDF 

Alle CCTP News im Überblick

Kategorie: News
CC Typologie & Planung in Architektur, Institut für Architektur IAR, Technik & Architektur
Themen: Architektur, Bau, Gebäude, Gebäude als System, Immobilien, Nachhaltigkeit, Suffizienz, Transformation, PPDB Themen ALT - T&A

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