«Transkomposition» findet sich als Begriff bei verschiedenen Komponisten des späten 20. Jahrhunderts bzw. 21. Jahrhunderts und stellt die Frage nach dem künstlerischen Umgang mit ausser- und innermusikalischem Fremdmaterial in der zeitgenössischen Musik neu zur Diskussion. Der Vortrag beleuchtet unterschiedliche klangliche Vorlagen aus der Natur über die Sprache und Medizin bis hin zu historischen Kompositionen, die Komponistinnen und Komponisten im 20./21. Jahrhundert in nahezu fotografischer Detailgenauigkeit in zeitgenössische Kunstmusik übersetzt haben.
Während sich die musiktheoretische Forschung sowie die Didaktik der Musiktheorie in den letzten Jahrzehnten zunehmend auf die historische Betrachtung von Satztechniken fokussiert hat, bietet transkompositorisches Arbeiten systematisch künstlerisch analytische Perspektiven auf historische Vorlagen. Beide Betrachtungsweisen nähern sich den musikalischen Kontexten und dem innermusikalischen Zusammenhalt. Dabei geht es nicht darum, diese Betrachtungsweisen gegeneinander auszuspielen, sondern vielmehr Transkomposition als hilfreiche Ergänzung zu historischen Betrachtungsweisen zu verstehen.
Benjamin Lang studierte Komposition, Musiktheorie, Dirigieren und Musikwissenschaft in Rostock, Salzburg, Hannover, Lugano, Bremen. Er legte sein Konzertexamen in Komposition an der HMTM Hannover ab, promovierte im Fach Komposition an der University of Edinburgh sowie in Musikwissenschaft an der Universität Mozarteum Salzburg.
Er lehrte Komposition und Musiktheorie an den Musikhochschulen in Hannover, Bremen, Rostock, Osnabrück, Lüneburg, Zürich und Berlin. Seit 2018 ist er Professor an der Hochschule für Musik und Theater Rostock, seit dem 1. April 2023 leitet er die Hochschule als Rektor.
2024 erschien Langs Buch the time is out of joint über die Musik von Johannes Schöllhorn. Zudem gab er mehrere Bücher zu didaktischen Themenfeldern der Musiktheorie und Neuen Musik heraus, darunter von Webern durchdrungen (2024, gemeinsam mit M. J. Ruesink), Lost in Contemporary Music? (2017), Ganz Ohr? (2013) und Komponieren mit Schülern (2011, gemeinsam mit Ph. Vandré).
Seine Kompositionen erklangen bei Konzerten und Festivals in Europa sowie weltweit und werden im Verlag Neue Musik Berlin veröffentlicht.