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  5. Chancengleichheit: Gewinn versus Gleichstellung?
15. Februar 2016

Chancengleichheit: Gewinn versus Gleichstellung?

Ist die Gleichstellung der Geschlechter im Erwerbsleben auf dem falschen Weg? Eine Soziologin deckt Risiken der Schweizer Gleichstellungspolitik auf und kritisiert, dass es den Unternehmen überlassen bleibt, ob sie Massnahmen gegen Ungleichheiten ergreifen – oder eben nicht.

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gleichstellen

Dreharbeiten

Im Dezember 2015 war eine Filmcrew zu Besuch am Departement Soziale Arbeit der Hochschule Luzern: Gedreht wurde für den Dokumentarfilm «Gleichstellen – eine Momentaufnahme», der im Rahmen des Projekts gleichstellen.ch entsteht.

Dreharbeiten am Departement Soziale Arbeit der Hochschule Luzern für den Dokumentarfilm «Gleichstellen – eine Momentaufnahme» im Rahmen des Projekts gleichstellen.ch.

Lucia M. Lanfranconi (roter Pullover) setzt auf einen Dokumentarfilm, um für das Thema Gleichstellung zu sensibilisieren. (Bild: Mischa Christen)

Dreharbeiten am Departement Soziale Arbeit der Hochschule Luzern für den Dokumentarfilm «Gleichstellen – eine Momentaufnahme» im Rahmen des Projekts gleichstellen.ch.

Die Unterrichtsräume und die Büros am Departement Soziale Arbeit der Hochschule Luzern verwandelten sich für einen Tag in ein Filmstudio. (Bild: Mischa Christen)

Dreharbeiten am Departement Soziale Arbeit der Hochschule Luzern für den Dokumentarfilm «Gleichstellen – eine Momentaufnahme» im Rahmen des Projekts gleichstellen.ch.

Regisseurin Romana Lanfranconi (gelber Pullover) und ihr Team sichten das Bildmaterial. (Bild: Mischa Christen)

«Viele Gleichstellungsbüros vermeiden den Begriff ‹Gleichstellung›, wenn sie Unternehmen für die Teilnahme an ihren Programmen motivieren wollen», sagt Lucia M. Lanfranconi, Dozentin und Projektleiterin am Departement Soziale Arbeit der Hochschule Luzern. «Sie heben den wirtschaftlichen Nutzen für die Arbeitgebenden hervor, etwa mit dem Hinweis, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf dem Fachkräftemangel entgegenwirke.» 

Lanfranconi hat im Rahmen ihrer Dissertation die Umsetzung des Gleichstellungsgesetzes (GlG) analysiert. Dieses ist seit fast zwanzig Jahren in Kraft und Grundlage für Programme zur Förderung der Gleichstellung der Geschlechter im Erwerbsleben. Die Soziologin wollte den im internationalen Vergleich erheblichen geschlechtsspezifischen Unterschieden, die trotzdem bis heute bestehen, auf den Grund gehen. 

Gleichstellung soll sich rechnen 

Lanfranconi konnte zeigen, inwiefern die Reichweite und Wirksamkeit der aktuellen Gleichstellungspolitik beschränkt ist. Das grösste Problem sei, dass die Projekte für die Unternehmen freiwillig und unverbindlich seien. Massnahmen würden nur eingeführt, wenn es sich fürs Unternehmen lohne. 

Auch kritisiert sie die mangelnde Themenvielfalt: «Die Unternehmen engagieren sich stark, damit ihre Mitarbeitenden Familie und Beruf vereinbaren können; dies mit der Idee, Personal zu rekrutieren und zu binden. Wichtige Themen wären aber etwa auch Lohngleichheit oder Frauen als Führungskräfte.» 

Weiter beanstandet sie, dass die Büros, die für die Umsetzung von Massnahmen zuständig sind, bisher kaum Kontroll- und Sanktionsmöglichkeiten haben. In vielen anderen Ländern seien diese üblich. Mit ihrer Doktorarbeit hat Lanfranconi Mängel aufgedeckt; mit dem Kommunikationsprojekt gleichstellen.ch will sie der Diskussion neuen Schub geben. Sie ist überzeugt, dass der Schlüssel zum Erfolg ist, für das Thema zu sensibilisieren und neue Massnahmen anzuregen. 

Die Flachglas (Schweiz) AG in Wikon hat an der Studie teilgenommen. Beppino Candolo, der Vorsitzende der Geschäftsleitung, gibt Lanfranconi recht: «Wir sind überzeugt, dass die Gespräche im Rahmen der Studie, die Dissertation und die erkannte Bedeutung des Themas in unserem Unternehmen konkrete Massnahmen wie etwa flexiblere Arbeitszeiten angestossen haben.»

Autorin: Eva Schümperli-Keller
Bilder: Mischa Christen

Das sozialwissenschaftliche Kommunikationsprojekt gleichstellen.ch wurde am Departement Soziale Arbeit der Hochschule Luzern lanciert und vom Schweizerischen Nationalfonds finanziert. Die Gleichstellung der Geschlechter im Erwerbsleben wird in Podien, Workshops, einem E-Learning-Tool sowie einem Dokumentarfilm thematisiert. Filmpremiere ist am 8. März 2016. www.gleichstellen.ch

Arbeitswelt von morgen, Titelillustration von Rahel Nicole Eisenring

Schwerpunkt Arbeitswelt von morgen

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gleichstellen.ch

Kategorie: Das Magazin
Hochschule Luzern, Soziale Arbeit
Themen: Diversity, Soziales

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Statement

«Wichtige Themen wären Lohngleichheit oder Frauen als Führungskräfte.»

Lucia M. Lanfranconi

FH Zentralschweiz

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