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  5. Selbstständigkeit wagen: Fünf Porträts
5. Oktober 2015

Selbstständigkeit wagen: Fünf Porträts

Unternehmertum kann viele Facetten haben. Diese Gründerinnen und Gründer berichten, was sie motiviert, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen.

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Autorinnen: Yvonne Anliker, Simone Busch, Valeria Heintges 
Bilder: Beat Brechbühl

Kategorie: Das Magazin
Hochschule Luzern, Design Film Kunst, Wirtschaft, Informatik, Musik
Themen: Wirtschaft, Geschäftsmodelle, Management & Leadership

Teaser gross Magazin Ausgabe 20

Schwerpunkt Gründergeist

Die Brauereigründer Alexander Oleschinsky und Herbert Blum sind beide auch angestellt.@Beat Brechbuehl
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Die Teamplayer

Weil sie gerne Bier trinken, gründen sie in ihrer Freizeit eine Bierbrauer-Firma. Aber ihre Brötchen verdienen sie beide in einem anderen Job: Der eine als Leiter Kundenservice, der andere als Produktmanager. 

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Alexander Oleschinsky und Herbert Blum trinken gerne ab und zu ein Bier. Nach ihrem Geschmack wird ihnen dabei aber viel zu oft Massenware von einem internationalen Konzern serviert. «Lieber würden wir stattdessen unsere Gläser mit einem ‹charaktervollen› Gerstensaft aus unserer Heimat Sursee füllen», sagt Oleschinsky, 35-jährig und dreifacher Vater aus Schlierbach. Deshalb gründeten die Männer im März dieses Jahres die Soorser Bier AG. Für die Brauanlage und die Anstellung eines Braumeisters ist zusätzliches Kapital nötig, deshalb sind sie im Moment auf der Suche nach Investoren. Ziel ist es, im Frühling 2016 das erste eigene Bier auszuschenken. 

Die Geschäftsführung hat Karin Wagemann (32), die Frau von Oleschinsky, inne. Nur deshalb ist es überhaupt möglich, das Unternehmen in die Tat umzusetzen, denn die beiden Männer haben eine Vollzeitstelle, die sie auch behalten wollen: Oleschinsky leitet den Kundenservice Pharma bei der UFAG Laboratorien AG, Blum ist Produktmanager bei der für die Elektronikindustrie tätigen Schurter AG. Die Brauerei ist für die beiden ein zeitintensives Hobby. Kennengelernt haben sich die Jungunternehmer im MBA Luzern der Hochschule Luzern. Gemeinsam mit Kommilitone Silvan Gut, der ihnen heute als Berater zur Seite steht, erstellten sie während des Studiums einen Businessplan für die Brauerei. Das Wissen über die Braukunst eigneten sie sich in stundenlanger Recherche und in unzähligen Gesprächen mit Fachpersonen an. «Es brauchte viel Mut, den Plan auch wirklich in die Tat umzusetzen», sagt der 51-jährige Herbert Blum aus Nottwil. «Aber es ist die Gelegenheit, einmal etwas ganz anderes zu machen.» 

Dass er im Team ein eigenes Unternehmen aufbauen kann, wertet er als grossen Vorteil. «Alleine wäre man wohl schneller und flexibler. Wir aber können uns austauschen und gegenseitig motivieren.» Den Altersunterschied und ihre unterschiedlichen Charaktere wertet auch Alexander Oleschinsky positiv: «Mit meinem noch jugendlichen Elan presche ich oft vor und treibe die anderen an. Herbert weiss es dann, mich mit seiner Reife und Umsicht zur richtigen Zeit zu bremsen.» www.soobier.ch

Der Unternehmerin Jessica Schmid fiel der Schritt in die Selbstständigkeit nicht schwer. @Beat Brechbühl
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Die Wissensdurstige

Nach ihrem Studium in Design Management, International macht sie sich selbstständig. Sie realisiert mit ihrer Firma Detailbox Designstrategien für Unternehmen.

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Drei Jahre ist es her, dass Jessica Schmid ihr Bachelor-Studium in «Design Management, International» an der Hochschule Luzern beendete – mit Auszeichnung. Das habe sie darin bestärkt, direkt nach dem Abschluss den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen, sagt die 25-Jährige. Schmid realisiert mit ihrer Firma Detailbox Designstrategien für Unternehmen – je nach Projekt ist der Auftrag gekoppelt mit Innovationsentwicklung und Marketing. 

Der Start ins Unternehmertum war mit Herausforderungen gespickt. «Ich musste viel Überzeugungsarbeit leisten», so Schmid. Vielen Kunden sei nicht bewusst, dass Design weitaus mehr bedeute, als Produkte «gut aussehen » zu lassen, sondern auch Prozesse und Dienstleistungen so gestaltet werden können, dass sie effizienter, kundenfreundlicher und vor allem nachhaltiger seien. «Denn bei Design Management geht es nicht zuletzt um einen sinnvolleren Einsatz von Ressourcen.» Jessica Schmid ist überzeugt, dass in ihrem Fachgebiet enormes Potenzial liegt, besonders auch für KMU. Firmen wie McKinsey oder Accenture setzten bereits vermehrt auf Designkompetenz, so Schmid. 

Herzblut für die Sache und eine unbändige Neugier treiben sie jeden Tag an. Gebremst wird ihre Energie höchstens dann, wenn sie wegen ihres jugendlichen Alters unterschätzt wird. «Dann wünsche ich mir manchmal, erste graue Haare zu haben», sagt Schmid lachend. Jemanden von der eigenen Arbeit zu überzeugen, gelinge ihrer Meinung nach nur mit konstant hoher Qualität und Zuverlässigkeit. Ein gutes Netzwerk helfe ebenfalls. 

Jessica Schmid pflegt ihres unter anderem als Vorstandsmitglied im Alumniverein der Hochschule Luzern. «Ich tausche mich gerne mit anderen Menschen aus und möchte mich stets weiterentwickeln», so Schmid. Und weil der Wissensdurst noch längst nicht gestillt ist, startet sie nun noch mit einem Master-Studium in Business Administration. 

www.detailbox.ch

Sam Kurath hat viele Ideen. Mit 34 Jahren hat er bereits vier Unternehmen gegründet. @Beat Brechbühl
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Der Tausendsassa

Schon während seines Studiums gründet er die erste Firma. Deren operative Geschäft hat er jetzt verkauft. Das macht aber nichts, denn er hat noch mehrere andere Unternehmen. Eines davon heisst Heinzelmännchen GmbH.

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Seine erste Firma gründete Sam Kurath, als er im zweiten Jahr Betriebsökonomie an der Hochschule Luzern studierte. Die Firma existiert noch, aber vor kurzem hat er das operative Geschäft an einen Geschäftsführer übergeben. «Das hätte ich schon viel eher machen sollen», sagt er – und seiner Stimme ist die Erleichterung deutlich anzuhören. Denn Sam Kurath weiss genau, was er kann – und was nicht. Er sprudelt vor Ideen, kann sie umsetzen, kann Menschen zusammenbringen und sie motivieren. Aber einen gesunden Betrieb am Laufen halten, organisieren, wachsen lassen – das können andere besser. Es tat ihm ein wenig weh, an seine Grenzen zu stossen. Aber mit seiner Agilität und seiner Abneigung gegen Hierarchien ist er in der Aufbauphase einer Firma stärker als in der Stabilisierungsphase. 

Es war ohnehin nicht sein Plan, Geschäftsführer zu werden. «Wenn man eine Firma gründet, wird man das ja automatisch», sagt der 34-Jährige, «da fragt keiner, ob man das kann.» 

Dennoch ist klar: Angestellt zu sein, ist für ihn keine Option mehr. Die Firmen, die Kurath gründet, richten sich an seine Altersgenossen und nutzen die Chancen der Digitalisierung: Er hat mit der Jaywalker GmbH die Idee der «STUcard» geboren, die Studierenden Vergünstigungen gewährt. Er bietet mit der Jim & Jim AG Marketing zur Gewinnung junger Kunden, lässt bei Crowdinvest.ch GmbH Laien Aktien bewerten und fordert mit Heinzelmännchen GmbH die Reinigungsbranche heraus. Das vernetzte Denken und die Konsequenzen von Anpassungen, das hat er an der Hochschule Luzern gelernt. Der Businessplan für Jaywalker war 2006 seine Diplomarbeit. Gefehlt aber hat ihm damals eine Initiative wie «Smart-up», die Studierende mit der Wirtschaft zusammenbringt. 

Kurath geht noch weiter: Ein Göttisystem wäre ideal: Praktiker aus der Wirtschaft geben Studierenden in festem Rhythmus Tipps und helfen bei Problemen weiter. Kurath konnte damals auf das Wissen seines Vaters zurückgreifen – und hat sehr davon profitiert. Das nächste Projekt hat er auch schon im Kopf. Er will, frisch verheiratet, eine Familie gründen. Er wird es auf Kurath’sche Art angehen: agil, ein wenig chaotisch und zielstrebig. Und er wird sein grosses Netzwerk aktivieren, um zur richtigen Zeit die richtige Unterstützung zu bekommen.

Die Kunstgalerie «Periferia» betreibt Flurina Paravicini aus Leidenschaft. @Beat Brechbühl
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Die Teilzeit-Unternehmerin

Sie leitet den Bereich Musik & Bewegung an der Hochschule Luzern und betreibt daneben einen kleinen, aber feinen Kunstbuchverlag mit ihrem Mann.

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In einem der schönsten Südtäler Graubündens, im Puschlav, eröffneten Flurina Paravicini und ihr Mann 1986 in ihrem historischen Bündnerhaus aus dem 16. Jahrhundert eine kleine Kunstgalerie namens «Galleria Periferia». «Aus purer Liebe zur Kunst», so die 53-Jährige. Sechs Jahre später gründeten sie den gleichnamigen Verlag «Edizioni Periferia». «Wir waren damals Exoten in diesem Bereich und mussten alles von Grund auf lernen», erinnert sich Flurina Paravicini. Inzwischen haben sie sich mit ihrem Verlag einen Namen gemacht und bringen jährlich rund 15 Kunstbücher heraus. 

Hauptamtlich ist Flurina Paravicini mit einem Teilzeitpensum als Dozentin an der Hochschule Luzern tätig und leitet den Bereich Musik & Bewegung. Sie sieht in beiden Aufgaben durchaus Parallelen. «Es geht um die Förderung von Menschen und ihrer Berufung.» Viel Freizeit bleibe bei alldem nicht, so die zweifache Mutter. «Mein Mann und ich befassen uns jeden Tag nach unserer eigentlichen Arbeit noch mit dem Verlag.» Gemeinsam organisieren sie Ausstellungen, entdecken neue Künstler und knüpfen Kontakte zu möglichen Partnern im Kulturbereich. So war das Finanzielle nie der Antrieb, sich selbstständig zu machen, «die Künstler mit ihrem Werk stehen im Vordergrund». Hauptsache, der Verlag und die Galerie decken annähernd ihre Kosten. «Im Grunde ist das Ganze eine grosse Passion», sagt Flurina Paravicini. «Wertvoller als alle Einnahmen sind die reichhaltigen Begegnungen, ob mit Künstlern oder dem Publikum.» 

www.periferia.ch

Beat Bussmann kennt die Softwarebranche und die Herausforderungen für seine Kunden. @Beat Brechbühl
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Der Erfahrene

«Ich hatte kein Problem mit Autoritäten. Aber die mit mir», sagt der Inhaber einer Softwarefirma mit heute 120 Mitarbeitenden.

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«Ich habe in meinen 27 Jahren als Unternehmer ordentlich geschuftet», sagt Beat Bussmann. Das klingt nicht arrogant, sondern überzeugt. Beat Bussmann, Chef der Softwarefirma Opacc in Kriens, beschreibt seinen Führungsstil als «menschlich und fordernd». Damit hat er es geschafft, im umkämpften Markt der Enterprise Software für ERP, E-Commerce und CRM zu bestehen. 

Opacc entstand 1988 und beschäftigt heute 120 Mitarbeitende. Bussmann, verheiratet und zweifacher Familienvater, erinnert sich an eine Zeit, in der sich die Technik radikal wandelte. Am Anfang musste er die Zukunftsaussichten der Personal Computer beurteilen, heute bringt er seine ERP-Software mit Webshops und Cloudlösungen zusammen. Bei alldem habe ihm immer geholfen, zu wissen, «welche Schwierigkeiten und Chancen die Kunden haben». 

Das ging und geht nur mit hervorragenden Entwicklern. Bussmann spricht sogar von «begnadeten Mitarbeitenden ». Wo aber findet er die? «Bei uns vor der Tür, in der Zentralschweiz », antwortet der 57-Jährige. «Wir wollen die, die nicht nach Zürich abwandern und eine Herausforderung suchen. Denn sie wollen etwas bewegen», sagt der CEO – er selbst will es ja auch. Bussmann wusste schon als Jugendlicher, dass er selbstständig werden wollte. Nach Banklehre, Betriebswirtschaftsstudium an der Hochschule Luzern und zwei Jahren in einem Beratungsunternehmen war die Sache klar. «Ich hatte keine Schwierigkeit mit Autoritäten», sagt er, «aber die mit mir.»

Jetzt muss Bussmann langsam eine Antwort auf die Frage finden, wie und wann er die Verantwortung wieder abgeben will. Er will eine Lösung, die für Mitarbeitende und Kunden stimmt, «nicht für mich selbst». Und was rät er dem Nachwuchs mit Blick auf seine Unternehmerkarriere? «Besser ist es, eine durchschnittliche Idee sehr gut umsetzen als eine sehr gute Idee durchschnittlich umsetzen.»

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