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  5. Kolumne #11 in der Luzerner Zeitung zum Thema Stadtentwicklung
6. November 2019

Kolumne #11 in der Luzerner Zeitung zum Thema Stadtentwicklung

Das CCTP veröffentlicht eine Reihe von Kolumnen in der Luzerner Zeitung zum Thema Stadtentwicklung. In der elften Kolumne spricht Prof. Dr. Peter Schwehr von der Hochschule Luzern über die Gefahren über Bauvorhaben nur noch per Abstimmung entscheiden zu lassen.

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Auf dem Bild ist der Artikel in der Luzerner Zeitung zu sehen.

«Wahlkampf statt Diskussion?»

Künftig wird in Entlebuch über «Bebauungs- und Zonenpläne mit grosser Tragweite» an der Urne entschieden. Eigentlich eine gute Sache, zeugt diese Entscheidung doch vom Wunsch der Bürgerinnen und Bürger nach mehr Mitsprache bei der Gestaltung ihres Lebensraumes. Doch die Sache hat einen Haken. Denn auf welcher Basis wird entschieden? Massstab ist die jeweilige persönliche Betroffenheit. Was für den einen eher unbedeutend ist, kann für den anderen eine grosse Veränderung darstellen. Stimme ich über etwas ab, von dem ich direkt betroffen bin, wird mein Entscheid ein anderer sein, als wenn mich das Bauvorhaben nur am Rande tangiert. Konflikte sind beim Bauen vorprogrammiert. Denn jede bauliche Massnahme hat ihren Preis. Sie verändert den gewohnten Lebensraum, benachteiligt die eine oder bevorzugt den anderen. Das wiederum weckt Ängste, Begehrlichkeiten, Neid und Missgunst. Wir kommen also nicht umhin auszuhandeln und miteinander zu reden. Aushandlungsprozesse sind ein Indikator für eine gelebte Demokratie.

Gerade Bauten, die von öffentlichem Interesse sind, müssen mit sorgfältiger Umsicht geplant werden. Und das erfordert Zeit und Mitwirkung. Architektur ist in den wenigstens Fällen selbsterklärend und fertig. Sie ist ein Prozess und kein Endzustand. Sie reift durch Auseinandersetzung und benötigt diese Reibung. Es liegt in der Natur der Sache, dass Wenige für Viele planen. Deshalb ist es so wichtig, dass über die Planung ein Diskurs stattfindet und die Betroffenen die Chance bekommen, sich einzubringen. Dann kann plötzlich aus einem Projekt mit grosser Tragweite ein tragfähiges Projekt werden, das in der Bevölkerung breiten Anklang findet und zu einem echten Mehrwert innerhalb der Gemeinde führt.

Ziel der Diskussion ist es, die Bürgerinnen und Bürger mündig zu machen. Der Prozess der Mitwirkung lässt neue Sichtweisen entstehen und führt zu einem gemeinsamen Verständnis als Basis für künftige tragfähige Lösungen. Im Mittelpunkt steht dabei das Planungsproblem und nicht die eigene zu verteidigende (Partei)-Position.

In meiner beruflichen Praxis erlebe ich tagtäglich, wie tragfähig Architektur sein kann, wenn zuvor die Betroffenen miteinander in Dialog getreten sind. Ich erlebe aber auch, was es bedeutet, wenn wenig oder gar kein Raum für Diskussionen zugelassen wird. Eine Orientierungs- oder eine Gemeindeversammlung, in denen Fragen und Anmerkungen vorgebracht werden können, reichen dafür in der Regel nicht. Angesichts der Lebensdauer unserer Gebäude von 50 bis 100 Jahren und in Anbetracht ihrer prägenden Funktion im Gefüge einer Gemeinde ist die notwendige Zeit für die Mitwirkung relativ.

Kommt ein Bauvorhaben ohne Diskussion zur Abstimmung, wird es nur ein Ja oder Nein geben. «The Winner takes it all», heisst dann die Devise. Oder: «Wahlkampf statt Diskussion?» Das wird der Komplexität und Vielschichtigkeit von Architektur nicht gerecht. Wäre es nicht viel sinnvoller, die Ressourcen für den inhaltlichen Dialog einzusetzen? Bauen heisst immer in erster Linie aushandeln und Zielkonflikte klären, um trag-, das heisst umsetzbare Lösungen zu finden. Das Aushandeln der Interessenskonflikte ist wesentlicher Bestandteil einer nachhaltigen Stadtentwicklung und bietet die Basis für den Dorffrieden.

Tragfähigkeit und Konsens lassen sich nicht an einer Urne bewerkstelligen. Wer meint durch die Abstimmungen Bauvorhaben beschleunigen oder gar blockieren zu können, geht ein hohes Risiko ein und führt ein demokratisches Grundprinzip ad absurdum.

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Mehr zum Thema

  • Luzerner Zeitung: Artikel Online

  • Luzerner Zeitung, Download Kolumne #11

    (9.3 MB) .PDF 

Kategorie: News
CC Typologie & Planung in Architektur, Institut für Architektur IAR, Technik & Architektur
Themen: Architektur, Bau, Gebäude als System, Immobilien, Infrastruktur, Gemeinde-, Stadt- und Regionalentwicklung, Soziales

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