Pre-College: der Türöffner fürs Musikstudium
Lust auf ein Musikstudium? Im Pre-College können sich Interessierte optimal auf die Bachelor-Aufnahmeprüfungen vorbereiten. Ein Höhepunkt und gleichzeitig eine wertvolle Standortbestimmung für die jungen Talente ist dabei das Intensiv-Wochenende. Die Pre-College-Studierenden Viola Fischer und Julian Bürgi erzählen von ihren Erfahrungen: von Herausforderungen, Highlights, strukturiertem Üben und neuem Selbstbewusstsein.
Instrumente werden gestimmt, nervöse Finger zupfen Kleider zurecht, die Aufregung ist fast mit Händen zu greifen. Inmitten anderer junger Talente bereiten sich auch Viola Fischer und Julian Bürgi auf ihre Auftritte vor. Gleich ist es so weit: Nach dem intensiven Theorie- und Praxisunterricht der letzten sechs Monate dürfen sie am Intensiv-Wochenende nun endlich öffentlich zeigen, was sie gelernt haben.
Insgesamt sechs einstündige Podien und eine abendliche Jam Session stehen auf dem Programm, daneben Begegnungen mit jungen Talenten der Talentförderungsprogramme diverser Kantone, ein gemeinsames Abendessen und der Workshop «Freie Improvisation», in dem sich die Studierenden über die Profile Klassik, Jazz und Volksmusik hinweg intensiv begegnen, sich austauschen und gegenseitig inspirieren.
Viola Fischer und Julian Bürgi erzählen hier davon, wie sie das Pre-College als Auftakt zur «Zielgeraden Musik-Studium» erlebt haben.
Die Interviews führte Eva Mertins, Koordinatorin Pre-College
Viola Fischer, Vorstudium Jazz-Gesang
Viola, wie bist du zum Pre-College an die HSLU gekommen?
Das war eine spontane Aktion. Ich wollte eigentlich Ergotherapeutin werden, habe mich aber dann im letzten Moment umentschieden und spontan die Prüfung gemacht. Jetzt bin ich hier (lacht).
Ein halbes Jahr Pre-College liegt bereits hinter dir. Was waren Herausforderungen, was Highlights?
Ich fand es sehr schön, dass ich mich intensiv mit der Musik beschäftigen und mich musikalisch weiterentwickeln konnte. Herausfordernd war, dass ich mich oft mit den anderen Studierenden verglichen habe und zum Teil das Gefühl hatte, dass ich nicht gut genug bin. Es war ein Auf und Ab, doch ich habe viel Selbstbewusstsein gewonnen.
Worauf hast du dich in dieser Zeit besonders fokussiert?
Auf die Stimmbildung. Ich hatte vorher noch keine ausgereifte Stimme. Doch jetzt fällt mir immer mehr auf, wie sehr sie sich in diesem halben Jahr verändert hat und «gereift» ist.
Gestern hatte ich ein wahres Highlight-Erlebnis: ein vierstündiges Vokalensemble bei Sara Büchi. Es war toll, sie persönlich kennenzulernen. Wir konnten ihr die Stücke vorsingen, die wir an der Aufnahmeprüfung präsentieren werden. Das individuelle Feedback war sehr hilfreich.
Wie organisierst du deinen Alltag im Pre-College?
Neben dem Studium arbeite ich ein bis zwei Tage pro Woche pro Woche in der Landi. Die Arbeit kann ich mir zum Glück relativ flexibel einteilen. An freien Tagen übe ich Gesang und Klavier. Ich habe bemerkt, dass ich am Morgen produktiver bin als am Nachmittag. Nun mache ich die für das Gehirn anstrengenderen Dinge am Morgen. Das Gesangstraining verlege ich auf den Nachmittag, weil es für die Stimme besser ist, wenn ich nicht schon frühmorgens so intensiv übe.
Was sind deine Wünsche und Vorstellungen für die Zeit nach dem Pre-College?
Ich möchte sehr gerne Musik studieren. Das hat sich in diesem halben Jahr herauskristallisiert, weil ich mich so intensiv damit beschäftigt habe. Ich habe mich für zwei Aufnahmeprüfungen angemeldet, für Musik und Bewegung sowie für Jazz-Gesang. Vorstellen kann ich mir beides sehr gut. Nun hoffe ich, dass es klappt.
Was wären deine beruflichen Wünsche nach dem Musikstudium?
Bei Musik und Bewegung ist der Beruf nach dem Studium ja ein bisschen klarer. Ich kann mir sehr gut vorstellen, mit Kindern zu arbeiten, einen Kinderchor zu leiten oder Musikunterricht zu erteilen. Für den Fall eines Jazz-Studiums habe ich noch keinen fixen Beruf im Kopf. Dort sehe ich vor allem meine musikalische Weiterentwicklung, weil ich mich dann intensiv mit Jazz und Gesang, aber auch Komposition auseinandersetzen könnte.
Was sagt dein Umfeld zu deinen Plänen?
Alle freuen sich, dass ich machen kann, was mir Freude bereitet. Den Wunsch, mit Kindern zu arbeiten, finden alle toll. Für den Fall eines Jazz-Studiums fragen sie mich, welchen Beruf ich danach ergreifen würde. Aber sie unterstützen mich, wofür auch immer ich mich entscheide.
Herzlichen Dank für das Interview und viel Erfolg bei den Aufnahmeprüfungen!
Das Pre-College ist eine super Erfahrung, weil man bereits Unterricht bei einer Hauptfachlehrperson aus dem Bachelor-Studium hat und die Theorie noch einmal genau anschauen kann. Julian Bürgi, Schüler im Vorstudium
Julian Bürgi, Vorstudium Klassik, Klavier
Julian, wie bist du zum Pre-College gekommen?
In der Familie war Musik immer ein Thema. Meine Eltern sind beide Berufsmusiker:innen. Ich selbst habe von klein auf Klavier gespielt und mir irgendwann überlegt, Musik zu meinem Beruf zu machen. Das Pre-College ist eine super Erfahrung, weil man bereits Unterricht bei einer Hauptfachlehrperson aus dem Bachelor-Studium hat und die Theorie noch einmal genau anschauen kann. In der Theorie war ich immer ein bisschen schwächer (lacht), da hat mir der Unterricht wirklich geholfen.
Wie organisierst du deinen Alltag im Pre-College?
Wir müssen zweimal in der Woche für den Unterricht vor Ort sein, hinzu kommen Events wie das Intensiv-Wochenende. Aber ansonsten bleibt mir viel Zeit zum Üben. Ich versuche, täglich mindestens zweimal zu üben. Das kannte ich vorher nicht so, denn ich habe viel weniger intensiv gespielt. Jetzt bin ich strukturierter, mache mir einen Plan, übe am Vormittag dieses, am Nachmittag jenes. Ich achte darauf, ein wenig Abwechslung ins Üben zu bringen und auch immer wieder kleine Pausen einzulegen.
Woran hast du im letzten halben Jahr besonders gearbeitet?
Vor allem an den Stücken, die ich bei der Bachelor-Aufnahmeprüfung spielen werde. Ausserdem habe ich zwei Stücke speziell für das Konzert am Intensiv-Wochenende vorbereitet: eine Beethoven-Sonate und eine Nocturne von Debussy. Darauf habe ich mich in den letzten Wochen fokussiert.
Wie gehst du bei Auftritten mit Druck und Erwartungen um?
An gewissen Tagen bin ich nervöser, an anderen weniger. Es hilft mir dann, mir selbst zu sagen, dass ich nun so viel Arbeit in die Stücke investiert habe, dass ich mit Selbstbewusstsein an die Sache herangehen darf. Den Rest nehme ich, wie er kommt. Wenn es mal nicht so gut läuft, ist das auch eine wertvolle Erfahrung. Wenn es gut läuft: umso besser.
Kannst du dir ein Musikstudium vorstellen?
Das ist absolut mein Ziel. Je länger ich im Pre-College bin, desto mehr verstärkt sich das Gefühl, dass in der Musik meine Zukunft liegt. Früher hatte ich Zweifel, ob ich gut genug bin. Nun sehe ich, wie ich mich entwickelt habe, und denke, dass ich es tatsächlich schaffen kann.
Welche Berufsvorstellungen hast du für die Zeit nach dem Studium?
Am liebsten würde ich Klavier unterrichten. Während des Zivildienstes habe ich in Schulen als Assistenz gearbeitet; das hat mir gut gefallen. Wissen und Fähigkeiten weiterzugeben und Menschen etwas beizubringen, finde ich eine wertvolle Aufgabe.
Wie reagiert dein Umfeld auf deine Studien- und Berufswünsche?
Meine Eltern haben mich immer unterstützt, aber nie Druck gemacht. Sie sagten: «Du kannst machen, was du willst. Wenn du Musik machen willst, dann unterstützen wir dich dabei.» Aber natürlich freuen sie sich, dass ich nun diesen Weg gewählt habe.
Herzlichen Dank für das Interview und viel Erfolg bei den Aufnahmeprüfungen!
Das Pre-College Luzern steht in engem Austausch mit der Talentförderung Musik Luzern (TMLU). So treten bei den Podien auch Talente der TMLU auf und können sich so früh mit dem Pre-College und der Hochschule Luzern – Musik vertraut machen.
Wir haben nachgefragt bei Julie Becht (14, Cello) und Lazan Häfliger (16, Geige und Bratsche). Beide sind in der Talentförderung Musik Luzern.
Seit wann seid ihr an der TMLU?
Lazan: Bei mir sind es fünf bis sechs Jahre.
Julie: Bei mir ist es das erste Jahr.
Ihr hattet heute sehr überzeugende Auftritte mit schwierigen Stücken. Wie habt ihr euch auf diesen Auftritt vorbereitet?
Lazan: Für meinen Soloauftritt habe ich Unterricht bei Marianne Richter und Daniel Dodds genommen, viel zu Hause geübt und versucht, möglichst viele Inputs mitzunehmen und diese umzusetzen.
Julie: Für unseren Quartettauftritt haben wir sehr viel geprobt. Wir sind schon vor einer Woche zusammen aufgetreten, haben danach analysiert, was noch nicht so gut geklappt hat, und dies für den heutigen Auftritt verbessert.
Was nehmt ihr vom heutigen Podiums- und Begegnungstag mit dem Pre-College an Inputs und Erfahrungen mit?
Lazan: Dass einige Dinge schon sehr gut klappen, es bei anderen aber doch noch einiges zu tun gibt.
Julie: Wie viel Freude es macht, auf der Bühne vor einem Publikum spielen zu können.
Ist ein Musikstudium bei euch schon ein Thema, über das ihr nachdenkt, oder ist das noch zu weit weg?
Lazan: Ich bin zwar erst in der dritten Klasse der Kantonsschule. Aber ich denke schon, dass ich einmal Musik studieren werde.
Julie: Auch ich bin in der dritten Klasse, weiss es aber noch nicht so genau. Vielleicht schon.
Gab es heute ein Highlight für euch?
Lazan: Sicher das Spielen selbst – aber das absolute Highlight ist schon, wenn du auf der Bühne stehst und zeigen kannst, was du intensiv geübt hast. Das macht unglaublich Spass!
Julie: Dem kann ich mich nur anschliessen!
Konntet ihr zum Pre-College erste Kontakte knüpfen und euch auch auf persönlicher Ebene vernetzen?
Julie: Unsere erste Geigerin, Hanna Knüsel, ist im Pre-College-Vorkurs. Einige andere kennen wir auch schon. Wir sind also schon ganz gut vernetzt.
Ganz herzlichen Dank für das Interview und weiterhin alles Gute für euren musikalischen Weg!