Es braucht einen Musiker, um eine Dorfgemeinschaft entstehen zu lassen – Über das einzigartige musikalische Bildungswerk des Schweizer Missionars Martin Schmid in Bolivien.
In der Jesuitenkirche in Luzern erinnert eine schlichte Gedenktafel an «P. Martin Schmid SJ (1694 in Baar – 1772 in Luzern), Missionar, Architekt, Komponist in Bolivien 1730–1767», dem es gelang, mit Hilfe der Musik blühende Siedlungen im bolivianischen Dschungel aufzubauen.
Martin Schmids facettenreiches musikalisches Wirken als innovativer Musikpädagoge, genialer Instrumentenbauer und Komponist barocker Musik gilt als einzigartiges Beispiel für eine gelungene Akkulturation. Zu den Kennzeichen der jesuitischen Missionsethik zählen der Respekt vor der indigenen Bevölkerung, die Achtung religiös-traditioneller und musikalischer Gebräuche, die Wahrung der sprachlichen Identität – und die gezielte künstlerische Schulung der Sinne. Auf dieser Grundlage konnte sich in den geschützten Missionssiedlungen, den so genannten Reduktionen, ein geregeltes soziales Leben in wirtschaftlich autonomen Gemeinschaften entwickeln. Martin Schmids intensive musikpädagogisch-handwerkliche Tätigkeit setzte sich später in eigenwilligen Kirchenbauten fort, die Raum für beeindruckende, musikalisch gestaltete Messen und Aufführungen boten. Deren nachhaltige Wirkung lässt einen besonderen Bezug zwischen Schmids Tätigkeit als Musiker und Architekt ahnen.
Die imposanten Kirchenbauten aus Holz und Lehm wurden nach der erzwungenen Ausweisung der Jesuiten 1767 über die Jahrhunderte hinweg von der Bevölkerung aus eigener Kraft notdürftig erhalten. Sechs Missionskirchen, darunter drei von Martin Schmid, konnten in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts durch den Schweizer Architekten Hans Roth SJ erfolgreich restauriert werden und gehören seit 1990 zum UNESCO-Weltkulturerbe.
Die bei der Restaurierung entdeckten Barockkompositionen leben in der Tradition lokaler Musikschulen weiter und bilden seit 1996 die Grundlage des internationalen Chiquitos-Barockmusikfestivals, das sich zu einem Who’s Who der weltweiten Barockmusikszene entwickelt hat und einer wachsenden Zuhörerschaft erfreut. –
Mit Blick auf die gemeinschaftsfördernde Musik- und Gesangsarbeit von P. Martin Schmid können wir fragen: Wie lässt sich die anhaltende Wirksamkeit dieses historischen Impulses erklären? Und was können wir heute daraus lernen?
Mit anschliessendem Apéro in der Bar
In Zusammenarbeit mit der HSLU Musik und Alumni HSLU
Mitgliederversammlung EVTA Schweiz um 14:30 Uhr