Aktuell steuern wir weltweit auf eine Erderwärmung + 2.8 °C bis 2100 zu. Die Folgen sind bereits heute deutlich spürbar. Besonders in der Schweiz, die sich doppelt so stark erwärmt wie der globale Durchschnitt. Häufigere Hitzewellen, Unwetter sowie zunehmende Naturgefahren gefährden unsere Gesundheit, Infrastruktur und Lebensqualität. Die gesellschaftlichen Kosten sind enorm. Eine konsequente Abkehr von Erdöl, Kohle und anderen fossilen Energieträgern ist für eine lebenswerte Zukunft unumgänglich.
Treibhausgasbilanz 2023
Für das Jahr 2023 hat die HSLU ihre grössten messbaren Emissionsquellen untersucht und eine Treibhausgasbilanz nach dem Greenhouse Gas Protocol erstellt. Die Bilanz macht deutlich, wo die grössten Reduktionshebel liegen. Innerhalb der untersuchten Systemgrenze verursachten Heizungen, insbesondere solche mit Erdgasbetrieb, den grössten Anteil der Emissionen. Zudem entstanden rund 40 % der Emissionen durch Dienstreisen und Pendelfahrten der Mitarbeitenden.
Schritt für Schritt zur Klimaneutralität
Bis Ende 2031 will die Hochschule Luzern ihre Treibhausgasemissionen in den besonders CO2-intensiven Bereichen deutlich senken und ihre Standorte ressourcenschonender betreiben. Dafür hat sie bereits wichtige Massnahmen umgesetzt und in den Handlungsfeldern «Gebäude, Mobilität, Beschaffung und Gastronomie» Weichen gestellt, um Treibhausgasemissionen künftig zu vermeiden und schrittweise zu reduzieren.
Mit der Inbetriebnahme der Standorte Perron und des neuen Campus Horw stellt die HSLU hauptsächlich auf fossilfreie Energie um. Gleichzeitig entstehen durch die Campus-Erneuerung neue Möglichkeiten für eine nachhaltigere Mobilität. Auch das überarbeitete Spesenreglement setzt bei Dienstreisen den öffentlichen Verkehr an erster Stelle. Eine neue Beschaffungsrichtlinie inkl. Monitoring legt einen wichtigen Grundstein für nachhaltigere Einkaufentscheide. Verbesserte Datengrundlagen und ein umfassendes CO₂-Monitoring bilden die Basis für weitere, gezielte Massnahmen.
In den kommenden Jahren konzentriert sich die HSLU auf die Vermeidung und Reduktion von Emissionen. Um ihre unvermeidbaren Emissionen dauerhaft zu neutralisieren, prüft sie zu einem späteren Zeitpunkt den Einsatz ausgereifter CO2-Entfernungstechnologien – möglicherweise sogar einer von der HSLU mitentwickelten Lösung.
Gebäude und Infrastruktur – Umstellung auf fossilfreie Energie
Im Gebäudebereich liegt der Fokus auf moderner Infrastruktur und die vollständige Umstellung auf fossilfreie Energie. Damit sollen die betrieblichen Emissionen langfristig auf ein Minimum reduziert werden. Doch Technologie allein reicht nicht aus. Damit Emissionseinsparungen nicht durch einen steigenden Verbrauch aufgehoben werden, setzt die HSLU zusätzlich auf einen suffizienten Ansatz.
Für einen klimaneutralen Betrieb sind energieeffiziente, gut gedämmte Gebäude mit erneuerbaren Strom- und Heizquellen essentiell – insbesondere in den Wintermonaten. In den letzten Jahren haben drei Departemente neue oder umgebaute Mietgebäude bezogen, die fossilfrei beheizt / gekühlt werden und über Photovoltaikanlagen (PV) verfügen.
Mit dem Perron (ab 2026) und dem neuen Campus Horw (ab 2031) wird die Hochschule Luzern an allen gemieteten Standorten erneuerbar heizen. Bereits heute stammen 95 % des Stroms aus erneuerbaren Quellen. Ab 2026 produzieren alle grösseren Standorte (ausser dem Campus Horw) Solarstrom, ab 2031 alle sechs Departemente. Der neue Campus Horw wird sowohl die Dächer wie auch die Fassaden für die Solarstromproduktion nutzen.
Mobilität
Dienstreisen
Die Hochschule Luzern will verstärkt auf umweltfreundliche Reiseoptionen setzen und hat dazu neue Mobilitätsregeln im Spesenreglement verankert (ab September 2025):
- Bei Reisezielen innerhalb der Schweiz und bei gut erreichbaren internationalen Destinationen stehen Zugreisen an erster Stelle.
- Der virtuelle Austausch wird als ressourcenschonende Alternative zu Dienstreisen gefördert und genutzt.
- Orientierungshilfen und finanzielle Anreize wie höhere Beiträge an das GA erleichtern nachhaltige Reiseentscheide.
Mit diesen Massnahmen kann sie voraussichtlich einen wichtigen Teil ihrer Flugreisen auf die Bahn verlagern und ihre Emissionen reduzieren.
Pendelfahrten
Die Hochschule Luzern zieht Mitarbeitende und Studierende aus der ganzen Schweiz an. Entsprechend gross sind das Einzugsgebiet und die Pendeldistanzen. Gleichzeitig sind Studierende und Mitarbeitende bereits heute nachhaltig unterwegs. Nur 13 % der zurückgelegten Strecken entfielen 2023 auf Autofahrten, die allerdings 73 % der gesamten Pendelemissionen verursachten.
Die meisten Standorte der Hochschule Luzern zeigen schon heute, dass auch bei hoher Mobilität ein minimales Parkplatzangebot ausreicht. Mit dem neuen Campus Horw bietet sich nun die Chance, die Mobilität vor Ort neu zu gestalten. Um den Fuss-, Velo- und öffentlichen Verkehr zu fördern, wurde ein Mobilitätskonzept mit gezielten Massnahmen entwickelt.
Seit Covid-19 sind flexible Arbeitsmodelle sowie eine Kultur des hybriden Arbeitens an der HSLU etabliert. Zudem beteiligen sich HSLU-Mitarbeitende seit längerem an Initiativen wie Bike-to-work.
Beschaffung
Die Hochschule Luzern beschafft eine Vielzahl an Gütern und Dienstleistungen. Über ihren gesamten Lebenszyklus verursachen sie bis zu 80 % der Scope-3-Emissionen. Die genaue Grössenordnung dieser Emissionen ist für die Hochschule noch weitgehend unbekannt. Da ein grosser Teil ausserhalb ihres direkten Einflussbereichs entstehen, ist eine enge Zusammenarbeit entlang der Wertschöpfungskette zentral.
Einkaufsvolumen und Beschaffungszyklus beeinflussen massgeblich die verursachten Emissionen. Um Nachhaltigkeitskriterien konsequent in die Kaufentscheide zu einzubeziehen, hat die Hochschule Luzern Ende 2024 eine Beschaffungsrichtline verabschiedet. Diese fördert langlebige, energiesparende, reparierbare, wiederverwendbare sowie recyclebare Produkte und berücksichtigt verstärkt auch deren Lebenszykluskosten.
Zunächst konzentriert sich die HSLU auf besonders klimarelevante Warengruppen und definiert dafür spezifische Nachhaltigkeitskriterien.
Elektrogeräte verursachen eine besonders hohe Umweltbelastung – sowohl in der Herstellung als auch in der Entsorgung. Hinzu kommt, dass sie seltene Rohstoffe aus konfliktreichen Regionen enthalten. Deshalb beschafft die Hochschule Luzern ausschliesslich energieeffiziente Geräte mit anerkannten Nachhaltigkeitslabels wie EPEAT, TCO-Certified und Energy Star.
Gastronomie
Die tägliche Menu-Wahl hat einen erheblichen Einfluss auf den CO2-Fussabdruck der Hochschule Luzern. Eine steigende Nachfrage nach pflanzenbasierten Gerichten und der bewusste Umgang mit Lebensmitteln können viele Emissionen einsparen.
Aktuell verpflegen sechs Mensen – betrieben von vier Gastrogruppen – die Studierenden und Mitarbeitenden. Die Anbieter wurden auch anhand von Nachhaltigkeitskriterien ausgewählt. Um eine klimabewusste Menu-Wahl zu fördern, verfolgen die Mensen folgende Ansätze:
- Die ZFV-Mensen (Campus Horw, Perron) informieren mit einem Menu-Leitsystem über die Klimafreundlichkeit und Ausgewogenheit der Gerichte. Besonders umweltfreundliche Gericht sind speziell gekennzeichnet und günstiger. Zusätzlich zeigt das Startup «FOOD2050» das Erderwärmungspotential jedes Menüs, um Gästen eine bewusste Wahl zu ermöglichen. Die ZFV möchte bis 2029 die Emissionen bei den Lebensmitteln um 30 % senken. Dafür setzt sie auf eine steigende Nachfrage klimafreundlicher Menus und auf einen höheren Anteil nachhaltig zertifizierter Lebensmittel (mindestens 33 %).
- Die Cafeteria auf dem Viscosiareal bietet ausschliesslich vegetarische und vegane Menus an.
- Am Musik-Campus stehen täglich sowohl ein pflanzenbasiertes als auch ein Fleischgericht zur Auswahl.
Um überschüssige Lebensmittel sinnvoll zu nutzen, arbeitet die Mensa der IG Arbeit auf dem Viscosiareal mit der Stiftung Schweizer Tafel zusammen. Ausserdem bieten der ZFV und die IG Arbeit über «Too Good To Go» nicht verkaufte Mahlzeiten vergünstigt an.
Nächste Schritte
Die Hochschule Luzern hat erste wichtige Schritte in Richtung Klimaneutralität unternommen. In den vergangenen Jahren hat sie zentrale Emissionsquellen und Massnahmen identifiziert, neue Richtlinien eingeführt und die Umstellung auf eine erneuerbare Energieversorgung eingeleitet. Das Netto-Null-Ziel ist in der Hochschule angekommen.
In den kommenden Jahren liegt der Fokus darauf, den eingeschlagenen Kurs zu konkretisieren und weiterzuentwickeln. Dafür müssen Kräfte neu gebündelt und gezielt ausgerichtet werden. Eine Schlüsselrolle spielt dabei der Aufbau einer verlässlichen Datenbasis und eines umfassenden CO2-Monitorings. Diese Instrumente schaffen Transparenz und ermöglichen eine gezielte Steuerung der Emissionen und bilden die Grundlage für weitere wirksame Massnahmen. Die HSLU will ihre Kompetenzen und Aktivitäten stärker bündeln. Bestehende Projekte und Einzelinitiativen sollen zu einer kohärenten, hochschulweiten Netto-Null Strategie zusammenwachsen – mit Wirkung über den Campus hinaus.
Eine klimaneutrale sowie nachhaltige Hochschule ist eine gemeinsame Aufgabe und gelingt nur mit Engagement aller. Jede und jeder kann dazu beitragen: Wer bewusst konsumiert, nachhaltig reist und sorgsam mit Ressourcen und Materialien umgeht, unterstützt bereits heute das gemeinsame Ziel.
Klimabericht 2025
Der Klimabericht 2025 zeigt den aktuellen Stand und die nächsten Schritte zur konsequenten Reduktion von Emissionen.