Nachhaltigkeit wird für Unternehmen zum Resilienzfaktor. Während klassische Compliance-Überlegungen nach wie vor präsent sind, haben Sozialthemen und Umweltfaktoren erhebliche und wachsende Bedeutung für die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen. Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels gewinnen Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz an Bedeutung und auch die Reduktion der CO2-Emissionen hat finanzielle Vorteile. Die Kosten für proaktive Steuerung und Präventionsmassnahmen sind geringer als Nichtstun und Abwarten. Trotzdem sind viele Unternehmen unzureichend vorbereitet, wie eine aktuelle Studie des Instituts für Finanzdienstleistungen Zug (IFZ) der Hochschule Luzern zeigt.
Klimakrise trifft Unternehmen bereits heute
Rund jedes vierte Unternehmen gibt an, bereits heute von der Klimakrise betroffen zu sein. Dennoch seien Szenarioanalysen und Resilienztests für das eigene Geschäftsmodell in den Unternehmen bisher zu wenig verbreitet, sagt Studienautorin Dr. Ute Laun. «Ein Risikomanagement ohne Klimaszenarioanalysen ist wie eine Alarmanlage, die nicht scharf geschaltet ist. Wenn relevante Klimarisiken nicht ins Risikomanagement der Unternehmen integriert sind, können auch keine Frühwarnzeichen wahrgenommen und entsprechende Weichenstellungen vorgenommen werden.»
Kreislaufprozesse: Investitionen hinken Potenzial hinterher
Ein zentraler Hebel für die Stärkung der Resilienz der Lieferkette und des Geschäftsmodells ist die Umsetzung von Kreislaufprozessen. Mit der Einführung von Kreislaufprozessen werden in der Regel die Materialeffizienz verbessert, die Kosten gesenkt, der CO2-Abdruck reduziert und Beschaffungsrisiken durch volatile Lieferketten verringert. Beispiele aus der Unternehmenspraxis zeigen, dass Kreislaufwirtschaftsansätze, wie zum Beispiel das Recycling hochwertiger Materialkomponenten, bereits innerhalb eines Zweijahreszeitraums rentabel werden. Prädestiniert für Kreislaufwirtschaftsansätze sind insbesondere Unternehmen in Branchen mit komplexen Produkten, die aus zahlreichen Materialkomponenten bestehen. Künftige regulatorische Anforderungen zur Offenlegung von Materialzusammensetzung und -herkunft sowie Reparierbarkeit und Recyclingfähigkeit stellen weitere Anreize für die Implementierung von Kreislaufprozessen dar.
Doch es besteht eine Finanzierungslücke. Die Studie zeigt, dass die Investitionen hinter den Potenzialen zurückbleiben. Es fehlen eine koordinierte und unterstützende Förderpolitik und abgestimmte Regulierung, um den Unternehmen Handlungssicherheit zu bieten. «Die Unternehmen wünschen sich, dass von staatlicher Seite entsprechende Rahmenbedingungen geschaffen und Hindernisse aus dem Weg geräumt werden. Dazu gehört beispielsweise die Revision von gesetzlichen Bestimmungen, um Kreislaufprozesse und Dekarbonisierung zu fördern», so Ute Laun.
ESG-Reporting 2026
Die Studie wurde vom Institut für Finanzdienstleistungen Zug (IFZ) der Hochschule Luzern nun zum dritten Mal in Folge durchgeführt. Die Untersuchung legt den Fokus auf die Nachhaltigkeitspraxis von Unternehmen in der Schweiz und im DACH-Raum. Wiederkehrende Schwerpunktthemen sind der Umgang mit dynamischen regulatorischen Entwicklungen, die ESG-Governance sowie das Datenmanagement und interne Kontrollen. Zudem werden in jedem Untersuchungsjahr aktuelle Fokusthemen beleuchtet – für 2026: Dekarbonisierung, Due Diligence in der Lieferkette und Digitalisierung. Die Studie kann hier heruntergeladen werden.