In der Übersicht
Studierende bewältigen heute vielfach gleichzeitig Anforderungen aus Studium, Erwerbsarbeit, Care-Verantwortung, künstlerischer Praxis und digitaler Verfügbarkeit. Generative KI (GenAI) tritt damit nicht in einen neutralen Studienalltag ein, sondern in eine bereits belastete und digital entgrenzte Situation. Sie kann entlasten, etwa durch kognitive Unterstützung, Feedback und Zeitsouveränität, aber auch Technostress, Bewertungsdruck sowie Werte-, Normen- und Integritätskonflikte erzeugen.
Das Projekt fragt, unter welchen Bedingungen GenAI für Studierende zur Ressource und wann sie zur zusätzlichen Belastung wird, insbesondere im Wechselspiel mit Mehrfachbelastung, Fachkultur und institutionellen Rahmenbedingungen. Vier Forschungsfragen konkretisieren dies: die Gesundheitsdynamik von GenAI im Studienalltag, die Belastungs-, Ressourcen- und Motivationspfade, institutionelle, soziale und fachkulturelle Gestaltungsfaktoren sowie Transfer, Prävention und Governance. Konzeptionell verbindet es die Study Demands-Resources Theorie (SD-R) mit der Selbstbestimmungstheorie (SDT) zu einem integrierten Wirkmodell: GenAI-bezogene Anforderungen und Ressourcen wirken über die Befriedigung oder Frustration der Bedürfnisse nach Autonomie, Kompetenz und sozialer Eingebundenheit auf Motivation und psychisches Wohlbefinden. Im Zentrum steht nicht die moralische Bewertung individueller KI-Nutzung, sondern die Frage, wann Studierende GenAI als legitime Unterstützung, als Grauzone oder als Spannung zu Eigenleistung, Fachidentität, Transparenzanforderungen und Bewertungskultur erleben.
Methodisch kombiniert ein sequenziell-integriertes Mixed-Methods-Design 10 bis 12 problemzentrierte Interviews, eine Pilotbefragung mit 150 bis 180 Studierenden, einen Daily-Diary-Pilot über 5 bis 7 Studientage und einen Co-Design-Workshop. Den Kern bildet der fachkulturelle Kontrastvergleich zwischen Wirtschafts- und Musikstudierenden; Technik & Architektur und Soziale Arbeit werden explorativ einbezogen.
Das Projekt liefert ein geschärftes, departementsübergreifendes Wirkmodell, erste empirische Evidenz zu Belastungs-, Ressourcen- und Motivationspfaden, einen Minimalprototyp «Achtsame KI-Nutzung im Studienalltag» sowie ein evidenzbasiertes Governance-Briefing für Hochschulleitung und Studiengänge. Damit entstehen erste Bausteine für eine präventiv und governancebezogen ausgerichtete Studierendengesundheit, die auch für Unternehmen, Verwaltungen und Bildungsanbieter anschlussfähig sind, und die Grundlage für ein breiter angelegtes Anschlussprojekt. Gefördert wird das Projekt vom Interdisziplinären Netzwerk (IDN) Gesundheit der Hochschule Luzern.