In der Übersicht
Sanierungen im Stockwerkeigentum (STWE) scheitern in der Schweiz systematisch an drei strukturellen Blockaden: unterfinanzierte Erneuerungsfonds, Governance-Blockaden durch einzelne Eigentümer und individuelle Zahlungsunfähigkeit. Das Defizit in den Erneuerungsfonds wird auf 9,5–13 Milliarden CHF geschätzt; 21% der älteren STWE-Gebäude weisen einen messbaren Sanierungsstau auf.
Das Projekt IG STWE prüft die Gründung einer Interessens-Genossenschaft, die als privatrechtliche, nicht gewinnorientierte Trägerschaft Information, Zertifizierung und solidarische Finanzierungsmodelle bündelt. Die Mitgliedschaft ist zwingend an das Stockwerkeigentumsverhältnis gekoppelt – das ist die zentrale rechtliche Weichenstellung, die das Modell von regulierten Bankgeschäften abgrenzt.
Die interdisziplinäre Forschungsarbeit verbindet Genossenschaftsrecht, ökonomische Modellierung und Praxiswissen aus der STWE-Verwaltung. Erste Ergebnisse zeigen: Das Modell ist rechtlich konstruierbar, ökonomisch plausibel und aus Verwaltungsperspektive nachgefragt. Die IG STWE könnte als «Drehscheibe von Geldmitteln und Fachwissen» einen strukturellen Beitrag zur Lösung eines der grössten ungelösten Probleme im Schweizer Wohnungswesen leisten.