In der Übersicht
Ein politischer Vorstoss zur Stärkung der Ressourcenkraft des Kantons St.Gallen im interkantonalen Ver-gleich, löste eine Debatte über eine mögliche Abwanderung von Fachkräften (Brain-Drain) als eine der Ursachen der relativen Ressourcenschwäche aus. Das Bildungsdepartements erhielt daher den Auftrag, den Brain-Drain genauer zu analysieren. Die Ergebnisse der kantonsinternen Analyse wurden in einem Zwi-schenbericht zusammengefasst.
Das Bildungsdepartement erteilte dann im Oktober 2025 einen Auftrag für einen externen Review des Zwischenberichts mit den folgenden Zielen: 1) Validierung und Interpretation der kantonalen Analysen; 2) Beurteilung und Weiterentwicklung von Massnahme; und 3) Abschätzung der Handlungsmöglichkeiten- und grenzen des Kantons. Nicht Teil des Reviews sind mögliche fiskalische Massnahmen, welche darauf abzielen die steuerliche Attraktivität für Fachkräfte und/oder für Unternehmen zu steigern.
Für die Einordnung des Brain-Drains in einen grösseren Kontext und zur Beurteilung der Wirkung der Massnahmen wurde ein Wirkungsmodell erarbeitet. Das Modell zeigt die Komplexität der Wirkungszusammenhänge zwischen Kanton und die Gemeinden, Haushalten und Unternehmen. Zentrale Grössen sind Standortattraktivität, Humankapital, Beschäftigungsmöglichkeiten und der Arbeitsmarkt. Die Standortentscheide von Haushalten und Unternehmen werden durch sogenannte Push- und Pull-Faktoren beeinflusst. Der Review bestätigt die Ergebnisse der kantonalen Datenanalyse und kommt zum Schluss, dass insgesamt kein ausgeprägter, flächendeckender Brain-Drain in St.Gallen vorliegt. Ein Vergleich mit den Kantonen Lu-zern und Aargau weist zwar auf schwächere Wanderungssalden und einen überdurchschnittlichen Wegzug universitärer Masterstudierenden hin. Gleichzeitig profitiert der Kanton St.Gallen von einem starken inter-nationalen Zuzug mit der Stadt St.Gallen als zentraler Zielort. Die Ergebnisse sind vor dem Hintergrund der unterschiedlich ausgeprägten Push-Pull-Faktoren der Kantone im Vergleich zu denjenigen im Ausland plau-sibel und erwartbar.
Für die Beurteilung der Massnahmen wurde ein Kriterienraster mit folgenden Kriterien entwickelt: Strategische Ausrichtung, Wirkung, Effizienz, Governance-Qualität und Umsetzung & Organisation. Die Beurteilung der vom Kanton vorgeschlagenen Massnahmen zeigt, dass die Massnahmen Teilaspekte des Brain-Drains adressieren und diese im Wirkungsmodell verortet werden können. Zusätzliche skizzierte Massnahmen zielen u.a. darauf ab, die Vereinbarkeit von Arbeit und Familie zu verbessern, das Bildungsangebot mit der (zukünftige) Arbeitsnachfrage abzugleichen und die Zugehörigkeit zur Region oder zur Gemeinde zu fördern.