Die Welt erlebt eine Phase zunehmender Polarisierung: Konflikte verschieben sich vielerorts von Meinungsunterschieden hin zu affektiver Polarisierung – also zu emotionaler Abwertung und Feindseligkeit gegenüber vermeintlichen Gegengruppen. In digitalen Öffentlichkeiten wird diese Dynamik besonders sichtbar und eskalationsanfällig, vor allem in Kommentarspalten und Thread-Kulturen, wo Anonymität, Gruppendruck, soziale Normen und algorithmisch verstärkte Sichtbarkeit zusammenwirken.
Auch aktuelle Zahlen aus der Schweiz zeigen die Relevanz: 42% der Bevölkerung (15–88) geben an, auf Social Media oder Informationsseiten feindselige oder herabwürdigende Botschaften gegen Einzelpersonen oder Gruppen gesehen zu haben (+4,5 Prozentpunkte gegenüber 2023). Gleichzeitig berichten 58%, in den letzten drei Monaten auf Inhalte gestossen zu sein, die sie als falsch oder zweifelhaft einschätzten (Bundesamt für Statistik, 2025).
Gäste
- Min Li Marti – Nationalrätin (SP, Zürich) sowie Verlegerin und Chefredaktorin der Wochenzeitung P.S.; befasst sich parlamentarisch u. a. mit digitaler Öffentlichkeit und Fragen rund um Hassrede im Internet.
- Dr. Lea Stahel – Researcher, Lecturer und Consultant im Bereich digitale Gesellschaft; forscht und lehrt zu digitalem Hass, digitaler Diskriminierung und Konflikten auf digitalen Plattformen und hat Studien/Reports zur Hassrede in der Schweiz mitverfasst.
- Sophie Achermann – Geschäftsführerin und Co-Gründerin der Public Discourse Foundation; engagiert sich für die Stärkung desöffentlichen Diskurses im Internet, u. a. aufbauend auf dem Projekt „Stop Hate Speech“.
Wir diskutieren: Woher kommt digitale Hassrede? Was verschärft sie in Krisenzeiten? Welche Massnahmen wirken – und welche Nebenwirkungen haben sie?