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  4. Freizeitverkehr: Günstige Tickets allein reichen nicht für den Umstieg auf den ÖV
28. August 2026

Freizeitverkehr: Günstige Tickets allein reichen nicht für den Umstieg auf den ÖV 

Kilometerlanger Stau, überlastete Strassen und Ausweichverkehr: Der Sommer 2026 machte erneut deutlich, wie schnell die Verkehrsinfrastruktur der Schweiz an ihre Grenzen stösst, wenn viele Menschen gleichzeitig unterwegs sind. Eine neue Studie der Hochschule Luzern (HSLU) zeigt, wie sich das Verkehrsverhalten bei Ausflügen und Ferienreisen tatsächlich beeinflussen lässt. Entscheidend sind weniger Preisreduktionen beim ÖV als vielmehr Gepäcktransport, Direktverbindungen und Parkplatzgarantie. 

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Verkehrsspitzen reduzieren und gleichzeitig mehr Menschen zum Umstieg auf den öffentlichen Verkehr bewegen: Beides gehört zu den zentralen Herausforderungen der Schweizer Verkehrspolitik. Im Auftrag des Bundesamts für Strassen ASTRA hat die HSLU deshalb untersucht, welche Massnahmen das Verkehrsverhalten bei nicht-alltäglichem Freizeitverkehr wie Tagesausflügen, Wochenendtrips und Ferienreisen tatsächlich beeinflussen. 

Das Auto dominiert aus praktischen Gründen 

Bei Ausflügen und Ferien werden rund 70 Prozent der Reisen mit dem Auto und 30 Prozent mit dem öffentlichen Verkehr zurückgelegt. Besonders stark ist die Autonutzung, wenn eine Reise komplexer wird – etwa durch Gepäck, mitreisende Kinder, mehrere Reisetage oder ein Ziel im ländlichen Raum. Wer kein ÖV-Abonnement besitzt, reist in über 92 Prozent der Fälle mit dem Auto. «Die Verkehrsmittelwahl in der Freizeit ist keineswegs irrational», sagt Studienleiter Prof. Dr. Widar von Arx von der Hochschule Luzern. «Menschen entscheiden sich meistens für dasjenige Verkehrsmittel, das für ihre konkrete Reise schneller, günstiger oder schlicht praktischer ist. Wer den Freizeitverkehr verändern will, muss deshalb genau diese Entscheidungssituation verstehen.» Die Studie zeigt beispielsweise, dass bereits ein einziger zusätzlicher Umstieg für Reisende einen erheblichen Nachteil darstellt. Ein zusätzlicher Umstieg senkt die Wahrscheinlichkeit einer ÖV-Wahl bei Tagesreisen um 31 Prozent. 

Parkplatzgarantie sorgt für Flexibilität beim Reisezeitpunkt

Besonders bemerkenswert ist, was Menschen dazu bringt, ihren Reisezeitpunkt zu verändern, um Verkehrsüberlastungen in Tourismus- und Berggebieten zu umgehen. Nicht die Höhe der Parkgebühren ist der stärkste Hebel, sondern die Gewissheit, am Ziel einen Parkplatz zu bekommen. Eine garantierte Parkmöglichkeit, etwa durch eine vorherige Reservation, erhöht die Flexibilität der Befragten deutlich: Ein spürbarer Teil von ihnen zeigt sich in diesem Fall bereit, die Hinreise zeitlich zu verschieben. Bei ungewisser Parksituation sinkt diese Bereitschaft hingegen drastisch. «Das eröffnet neue Möglichkeiten, Verkehrsspitzen zu glätten, ohne die Mobilität der Menschen grundsätzlich einzuschränken», sagt von Arx. «Mit einer Reservation erhalten Reisende Planungssicherheit, gleichzeitig lässt sich ihre Ankunft besser über den Tag verteilen.» 

Direkte Verbindungen und Gepäckservice sind wichtiger als tiefe Preise 

Wer Menschen zum Umstieg auf den öffentlichen Verkehr bewegen will, sollte laut Studie nicht primär bei den Preisen ansetzen. Vielversprechender sind Massnahmen, welche die praktischen Nachteile des ÖV beseitigen. Ein Tür-zu-Tür-Gepäckservice könnte den ÖV-Anteil bei den betroffenen Tagesreisen um bis zu 8 Prozentpunkte erhöhen. Auch für den letzten Abschnitt einer Reise sind gut aufeinander abgestimmte Angebote entscheidend. Ein dichter Takt und einfach kombinierbare Mobilitätsangebote können dazu beitragen, dass Reisende nicht für die gesamte Strecke das Auto nutzen. Besonders Personen mit einem bestehenden ÖV-Abonnement sind bereit, für den letzten Abschnitt ihrer Reise vom Auto auf den öffentlichen Verkehr umzusteigen. Die Forschenden empfehlen deshalb, den Verkehr nicht mit einer einzelnen Massnahme steuern zu wollen. «Wer die Menschen erreichen will, muss ihre konkreten Bedürfnisse berücksichtigen. Planungssicherheit, einfache Verbindungen und eine angenehme Reise sind oft wirkungsvoller als reine Preissteuerung», sagt von Arx. 

Zur Studie

Die Studie «Einfluss von Massnahmen auf das Verkehrsverhalten im nicht-alltäglichen Freizeitverkehr» wurde im Auftrag des Bundesamts für Strassen ASTRA von der Hochschule Luzern in Zusammenarbeit mit dem Beratungsunternehmen Rapp AG durchgeführt.  
Unter «nicht-alltäglichem Freizeitverkehr» verstehen die Forschenden Freizeitfahrten ausserhalb der täglichen Routinen, beispielsweise Tagesausflüge, Wochenendtrips und Ferienreisen. In sechs Teilprojekten untersuchte das Forschungsteam, wie sich die Verkehrsmittelwahl im Freizeitverkehr beeinflussen und Verkehrsspitzen auf der Strasseninfrastruktur entzerren lassen. Im Zentrum standen die Verlagerung vom motorisierten Individualverkehr auf den öffentlichen Verkehr und die Frage, welche Massnahmen tatsächlich zu einer Veränderung des Verkehrsverhaltens führen. Grundlage der Studie waren unter anderem Verkehrszählungen, Befragungsdaten sowie Daten des Mikrozensus Mobilität und Verkehr. Diese schweizweite Erhebung liefert regelmässig Informationen zum Mobilitätsverhalten der Bevölkerung.  

Kategorie: News, Medienmitteilung
Wirtschaft, Institut für Tourismus und Mobilität (ITM), CC Mobilität (ITM Mob)
Themen: Tourismus und Mobilität, Freizeit- und Tourismusverkehr, Mobilitätsstudien

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  • Studie Verkehrsverhalten 

Prof. Dr. Widar von Arx

Leiter Competence Center Mobilität

+41 41 228 42 88

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FH Zentralschweiz

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