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  4. Steigende Zinsen belasten Schweizer Unternehmen
13. September 2023

Steigende Zinsen belasten Schweizer Unternehmen

Der Inflationsschub, höhere Zinsen und Lieferkettenprobleme stellen Schweizer Unternehmen vor neue Herausforderungen. Der absolute Liquiditätsbestand ist zwar gesunken, doch verfügen Schweizer Unternehmen über hohe verfügbare Kreditlinien. Die untersuchten Unternehmen bleiben insgesamt weiterhin solide finanziert und konnten im Jahr 2022 trotz der Herausforderungen die Ausschüttungen an die Aktionäre weiter steigern. Dies zeigt eine neue Studie der Hochschule Luzern.

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Die aktuelle Ausgabe der Finanzierungs- und Treasurystudie der Hochschule Luzern (HSLU) zeigt deutlich: Das Umfeld ist herausfordernd – und das hat Folgen für die Unternehmen. Die abrupten Zinsanstiege zur Bekämpfung der Inflation werden zur Belastung und manifestieren sich in steigenden Finanzierungskosten. Zudem hat sich das operative Nettoumlaufvermögen (Working Capital) im Vergleich zum Vorjahr um über 13 Prozent auf 104.3 Milliarden Franken erhöht. Das schwierige Umfeld hatte auch einen Einfluss auf die Aktienkurse. So verzeichnete beispielsweise der Swiss Performance Index SPI im vergangenen Jahr eine Rendite von minus 16.5 Prozent. Trotz schwierigem Umfeld stieg die Dividendensumme jedoch um 4.3 Prozent von 50.4 auf 52.6 Milliarden Franken und die Aktienrückkäufe erreichten mit insgesamt 32 Milliarden Franken ein neues Rekordvolumen.

Leicht teurere Kredite und höhere Lagerbestände

Das verzinsliche Fremdkapital ist im letzten Jahr erstmals seit 2015 gesunken. Gemäss Studienleiter Prof. Dr. Thomas K. Birrer eine nachvollziehbare Entwicklung: «In den vergangenen Jahren war Geld sehr günstig und viele Unternehmen machten Gebrauch von attraktiven Kreditkonditionen. Mit den gestiegenen Zinsen wird die Kreditaufnahme nun teurer.» Die Reduktion sei die logische Folge. Ob dies eine langfristige Trendwende ist, lässt sich gemäss Birrer noch nicht sagen und es bleibt fraglich, wie lange die Zinsen auf dem aktuellen Niveau bleiben.

Weiter bereiteten die globalen Lieferkettenprobleme der vergangenen Jahre vielen Unternehmen Schwierigkeiten. Um unabhängig von geopolitischen Konflikten und Logistikengpässen Umsatz generieren zu können, haben sie die Lagerbestände merklich aufgestockt. Gemäss Birrer verursacht dies zwar Kosten, macht jedoch aus einer operativen Logik Sinn. «Vorräte anzulegen ist zwar teuer, jedoch sinnvoll, um die Produktionsprozesse aufrechterhalten zu können.», so der HSLU-Dozent. Genauer gesagt: Um 10.5 Milliarden Franken haben die Lagerbestände im letzten Jahr zugenommen. Das entspricht einem Wachstum von 13.1 Prozent.

Liquidität: Komfortabel trotz Abnahme

Der Liquiditätsbestand der Unternehmen nahm im vergangenen Jahr insgesamt um 9.6 Prozent auf 109.9 Milliarden Franken ab. Gemäss Birrer bestehe aber kein Anlass zur Sorge: «Die Liquiditätssituation ist grundsätzlich komfortabel.» Die Unternehmen verfügen zudem über mehr als 65 Milliarden Franken an fest zugesagten und noch nicht bezogenen Kreditlinien. Bei den allermeisten Unternehmen müsse man sich daher keine Sorgen um Liquiditätsprobleme machen.

Zwischen den einzelnen Branchen unterscheidet sich der Liquiditätsanteil nur geringfügig und bewegt sich zwischen 9 und 13 Prozent (Abbildung). Einzig der Immobiliensektor weist mit nur 0.8 Prozent ein deutlich geringeres Liquiditätsniveau auf. «Immobilien sind ein sehr anlageintensives Geschäft», so Birrer. Ein viel grösserer Teil des Vermögens stecke in Anlagen – grösstenteils Immobilien. Ein vergleichsweise niedriger Liquiditätsbestand sei daher normal.

Liquiditätsanteil in Prozent der Bilanzsumme

Abbildung: Liquiditätsanteil in Prozent der Bilanzsumme (zum Vergrössern klicken)
Insgesamt unterscheidet sich das Liquiditätsniveau zwischen den einzelnen Branchen kaum. Nur der Immobiliensektor weicht mit 0.8 Prozent deutlich weniger Liquidität auf, da dort das Vermögen zu einem grossen Teil in (Immobilien-)Anlagen steckt.

Weggang von der Börse immer häufiger

In einem Gastbeitrag innerhalb der Studie zeigen Dr. Andreas Neumann von der Zürcher Kantonalbank und HSLU-Dozent Prof. Dr. Philipp Lütolf auf, dass in der Schweiz kotierte Unternehmen sich immer häufiger für einen Weggang von der Börse entscheiden. «Für viele Unternehmen stellt die zunehmende Regeldichte ein Hindernis dar», sagt Lütolf. «Sie ist komplex, ändert sich kontinuierlich und ist sehr personal- und kostenintensiv», so der Co-Autor des Gastbeitrages. Für einen Verbleib an der Börse wiederum spreche der höhere Bekanntheitsgrad, den die Börsenkotierung gewähre. Dieser Grund hat wegen des Fachkräftemangels nochmals an Bedeutung gewonnen. «Die Personalrekrutierung kann durch eine Börsenkotierung begünstigt werden. Denn je bekannter ein Unternehmen, desto einfacher ist es, neue Mitarbeitende zu finden», sagt Lütolf.

Abgenommen hat die Anzahl börsenkotierter Unternehmen in der Schweiz aber nicht. Insgesamt hat sie sich kaum verändert. Zwar entscheiden sich Unternehmen häufiger für einen Weggang, was aber durch den Börsengang neuer Unternehmen wieder ausgeglichen wird.

IFZ Finanzierungs- und Treasurystudie 2023

Herausgeber: Prof. Dr. Thomas K. Birrer, Prof. Markus O. Rupp, Dr. Manuel Bauer

Die dritte Ausgabe der IFZ Finanzierungs- und Treasurystudie widmet sich erneut den komplexen Dimensionen der finanziellen Unternehmensführung. Es bleiben folgende Fragen zur Finanzierung zentral: Wie viel Kapital ist für die Ausübung der Geschäftstätigkeit erforderlich? Und wie und zu welchen Konditionen kann das benötigte Kapital beschafft werden?

Vor dem Hintergrund der hohen Inflationsraten im Jahr 2022 geht es in der Studie nicht nur darum, wie es um die Liquidität und die Finanzierung von Schweizer Unternehmen steht, sondern auch darum, Handlungsoptionen zu identifizieren. Zu diesem Zweck wurden Daten von in der Schweiz gelisteten SMI- und SPI-Unternehmen gesammelt, aufbereitet und ausgewertet. Anschliessend wird die aktuelle Unternehmenslage der Schweiz grafisch aufgezeigt, gefolgt von einer differenzierten Untersuchung auf Basis von branchen- oder grössenbezogenen Charakteristika.

Wie bereits im Jahr zuvor schliesst die vorliegende Untersuchung überdies weitere Themen im Bereich des Corporate Treasury Managements ein. Dazu zählt insbesondere das Working Capital Management. Die Studie adressiert erneut die Frage, welche aktuellen Entwicklungen im Corporate Treasury Management bestehen.

Neben den Auswertungen der Hochschule Luzern enthält die Studie fünf Gastbeiträge, die einen umfassenden Überblick über aktuelle Themen und Trends geben:

  1. Swiss debt issuance remains strong in midst of tight debt capital markets
  2. Going Private vs. Staying Public – ein Langzeitvergleich
  3. Working-Capital-Finanzierung im Jahre 2023
  4. Sustainability challenges in plastics and food & beverage packaging
  5. iStar Rises: Five Arguments for a Higher Inflation Target

Auf hslu.ch/ifz-finanzierungsstudie gibt es ausserdem verschiedene interaktive Abbildungen zur Studie.

Kategorie: News, Medienmitteilung
Wirtschaft, Institut für Finanzdienstleistungen Zug (IFZ), CC Unternehmensfinanzierung (IFZ CF)
Themen: Betriebswirtschaft, Finance, Corporate Finance, Wirtschaft, Aktuell

Download Studie

  • Finanzierungs- und Treasurystudie 2023 

Prof. Dr. Thomas Kurt Birrer

Leiter Competence Center Corporate Finance

+41 41 757 67 39

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