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30. August 2023

Zu wenig qualifizierte Mitarbeitende in Kitas

Der familienergänzenden Kinderbetreuung in der Schweiz fehlt qualifiziertes Personal. Das wirkt sich sowohl negativ auf die Entwicklung der Kinder als auch auf das Wohlbefinden der Mitarbeitenden aus. Dies zeigt eine Studie der Hochschule Luzern.

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In der Schweiz arbeitet ein beträchtlicher Teil des Personals in der familienergänzenden Kinderbetreuung ohne formale Qualifikation. Die Hochschule Luzern (HSLU) hat in einer Studie den Einsatz von solchen formal nicht qualifizierten Betreuungspersonen in der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung (FBBE) untersucht und grosse Mängel bei den Rahmenbedingungen festgestellt. Das Projekt wurde durch die Stiftung Mercator und das Migros Kulturprozent unterstützt.

Frühe Kindheit als wichtigste Bildungsphase

In der frühen Kindheit werden die Grundsteine für Sozialkompetenz, Gesundheit, Kreativität, motorische und sprachliche Fähigkeiten und die Emotionsregulierung gelegt. Eine qualitativ gute FBBE kann den Entwicklungsverlauf des Kindes fördern, die schulische Karriere begünstigen und den Einstieg ins Erwerbsleben erleichtern. Werden diese Chancen verpasst, erhöht dies die Wahrscheinlichkeit von gesundheitlichen und sozialen Problemen im weiteren Lebensverlauf. Besonders gefährdet sind Kinder aus belasteten Familien. Sie sind zuhause oftmals viel Stress ausgesetzt und könnten in einer qualitativ guten familienergänzenden Betreuung den Ausgleich dazu finden.

Fehlende Qualifikation beim Betreuungspersonal

Mit der zunehmenden Erwerbstätigkeit beider Elternteile übernimmt das Betreuungspersonal der familienergänzenden Kinderbetreuung eine grössere Verantwortung. Doch schätzungsweise die Hälfte der Mitarbeitenden in Kitas, Spielgruppen oder Hausbesuchsprogrammen verfügen weder über eine fachspezifische Qualifikation (z.B. Fachmann/-frau Betreuung EFZ) noch einen tertiären Abschluss im pädagogischen Bereich. «Als Betreuungsperson in einer Kita ist man nicht für ein oder zwei Kinder zuständig, wie das im eigenen Haushalt der Fall wäre, sondern für eine grosse, heterogene Gruppe», sagt Co-Studienautor Prof. Dr. Martin Hafen. «Ohne zusätzliche formal ausgebildete Mitarbeitende kann unser aktuelles Betreuungssystem auf Zeit gar nicht überleben», so der Soziologe.

Schwerstarbeit zum Mindestlohn

Fachkräftemangel und fehlende staatliche Investitionen können sich nicht nur negativ auf die Kinder auswirken, sondern auch auf die Mitarbeitenden. Die Arbeitsbedingungen sind schwierig; die Arbeit ist oft durch Lärm und Hektik geprägt und somit sehr belastend. Knappe Personalressourcen und die hohe Verantwortung intensivieren diese Belastungen zusätzlich. Zudem ist die Entlöhnung niedrig und die Mitarbeiterinnen – tatsächlich wie in allen Care-Bereichen meist Frauen – sind nur selten durch eine Pensionskasse versichert. Eine mögliche Folge für die Mitarbeitenden ist Altersarmut. «Die tiefen Löhne sind der Bedeutung dieser pädagogischen Tätigkeit in keiner Weise angemessen», so Hafen.

Höheres Qualifikationsniveau unverzichtbar

Das Team der Forschenden empfiehlt deshalb sowohl kurzfristige als auch langfristige Massnahmen, um Beruf und Betreuung gleichermassen zu verbessern. Kurzfristig muss das vorhandene Personal in der FBBE durch Weiterbildungen und weitere Massnahmen zur Qualitätssicherung gefördert werden. «Mittelfristig müssen für die formal nicht qualifizierten Mitarbeitenden niederschwellige Möglichkeiten zum Erwerb einer solchen Qualifikation geschaffen werden, so wie das aktuell in Österreich geschieht.», sagt Hafen. «Längerfristig sollte das Qualifikationsniveau für die familienergänzende Kinderbetreuung dem unseres restlichen Bildungssystems angeglichen werden.»

Das braucht finanzielle Mittel. Der Nationalrat hat unlängst ein Subventionierungsprogramm verabschiedet, das nun beim Ständerat hängt. Neben finanzieller Unterstützung für die einzelnen Familien beinhaltet dieses auch Mittel zur Qualitätsverbesserung der Angebote. Die Verantwortung dafür liegt aber bei den Kantonen und Gemeinden. Durch Rahmengesetzgebungen und Leistungsaufträge könnten die FBBE-Institutionen zur Qualitätssicherung verpflichtet werden. Dazu müssen jedoch auch die notwendigen finanziellen und personellen Ressourcen bereitgestellt werden.

Kategorie: News, Medienmitteilung
Soziale Arbeit, Institut Sozialmanagement, Sozialpolitik und Prävention, CC Prävention und Gesundheit
Themen: Bildung, Politik, Soziales, Sozialpolitik, ALT - Frühe Förderung, ALT - Sozialmanagement und Sozialpolitik, Aktuell, Prävention und Gesundheit

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