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  4. Virtuelle Welten im Bourbaki Panorama
7. November 2017

Virtuelle Welten im Bourbaki Panorama

Die Hochschule Luzern lässt zusammen mit dem Museum Bourbaki Panorama in der Ausstellung «Panorama Digital» ab 18. November analoge und digitale virtuelle Welten aufeinandertreffen. Gezeigt wird unter anderem ein 360°-Film, den die Hochschule und das Schweizer Fernsehen SRF als Teil eines gemeinsamen Forschungsprojekts produziert haben.

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Auswahl von Exponaten in «Panorama Digital»

«SRF: Täglicher Kampf um Menschenleben – 360°-Film aus dem Schockraum» zeigt Ärzte am Unispital Zürich, die um einen schwer verletzten Mann ringen: Schaffen sie es, sein Bein zu retten? Solche Situationen üben die Notfallteams immer wieder, denn im Ernstfall dürfen keine Fehler passieren. Eine Rettungsaktion, wie diese in 360°-Perspektive gefilmt, macht für den nicht medizinischen Laien den Alltag eines Schockraums erfahrbar. Bild: Christophe Merkle, HSLU
«flow» ist eine audiovisuelle Auseinandersetzung mit Rhythmus anhand einer Naturlandschaft. Der Betrachter wird zu einer subjektiven Wahrnehmung verschiedener Naturereignisse zwischen Realität und Fiktion angeregt. Der Einstieg erfolgt über eine malerische Landschaft, doch dann driftet Patrick Portmanns Film in sonderbare, abstrakte Welten ab. Bild: Patrick Portmann, HSLU
In «Mittendrin» können sich die Betrachter an der dösenden Protagonistin vorbei auf die Dächer der Stadt begeben, wo sich ihnen eine farbenfrohe Parade offenbart. Künstlerin Zoe Röllin erweitert das vertraute Format des Comics zur virtuellen Realität und zeigt und das neue Potenzial von Zeichnung und Storytelling auf: Die Panels befinden sich nicht mehr auf einem zweidimensionalen Blatt oder Bildschirm. Sie können sich in alle Richtungen bewegen, können Dinge verbergen und regen dazu an, sie von einem neuen Blickwinkel aus zu entdecken – die Betrachter schauen nicht mehr als Aussenstehende auf die Geschichte, sondern sind mittendrin im Geschehen. Bild: Zoe Röllin, HSLU
Das «Bourbaki Panorama» in Luzern erinnert an die Internierung von 87’000 französischen Soldaten, die 1871 in der Schweiz Zuflucht finden. Dieses Ereignis prägte das schweizerische Selbstverständnis für Humanität und Neutralität. Maler Edouard Castres – selber als Rotkreuz-Helfer im Krieg mit dabei – gelingt mit seinem Panorama eine realistische Schilderung des Kriegselends. In seinem Maler-Team wirkte auch der junge Ferdinand Hodler mit. Das Medium Panorama gilt heute als Vorläufer der Kinos und als Inspiration für aktuelle mediale Trends und digitale Erzählformen. Bild: zvg Museum Bourbaki Panorama
Frustriert von der Rolle der Kriegsfotografie hat Karim Ben Khelifa die immersive Installation «The Enemy» entwickelt, welche die neuen Möglichkeiten im Bereich des Fotojournalismus auslotet. Er lässt uns Kämpfern aus drei Konfliktzonen gegenübertreten: Den «Maras», Gangs aus Salvador, Soldaten aus der Demokratischen Republik Kongo und Kontrahenten aus Israel und Palästina. Ihre Zeugnisse und Bekenntnisse über ihr Leben, ihre Erfahrungen und Perspektiven auf den Krieg erlauben dem Zuschauer, ihre Motivationen besser zu verstehen. Bild: Karim Ben Khelifa
Der «Rapid Eye Movement»-Schlaf, auch REM genannt, ist die Traumphase des Schlafs. REM-Aktivität ist bereits bei Ungeborenen im letzten Drittel der Schwangerschaft festgestellt worden. Aber wovon träumen ungeborene Babys? «Mother’s Ghost» ist ein Porträt der körperlichen und geistigen Symbiose von Mutter und Ungeborenem im Traum. Die Virtual-Reality-Installation ist mittels «Oculus Rift»-Headset und Mikrophon erlebbar. Bild (Detail der Installation): Johan Knattrup Jensen
Jules Spinatsch realisierte mit «Vienna MMIX – 10008/7000» ein riesiges Panorama des Wiener Opernballs, das aus 10’008 Einzelbildern besteht. Zwei computergesteuerte Kameras nahmen diese vom Einlass der 7000 Gäste bis zum Ende des Balls auf. Der Film besteht aus chronologisch zusammengesetzten Aufnahmesequenzen und zeigt eine ganze Reihe fotografischer Genres: Porträts, Stillleben, filmische Szenen und Paparazzi-Schnappschüsse, aber auch abstrakte und unscharfe Bilder. Bild: Jules Spinatsch

Immersion ist das Zauberwort der digitalen Medienbranche: 360°-Filme und verwandte Formate sollen dem Publikum das Gefühl geben, buchstäblich in die virtuelle Welt einzutauchen. «Viele Menschen empfinden das immersive Potenzial dieser Technologien als völlig neuartig», sagt Yasemen Büyükberber vom Departement Design & Kunst der Hochschule Luzern. «Dabei greifen sie oft nur auf alte Ideen zurück und erweitern diese mit digitalen Mitteln.» 

Diese These kann in der Ausstellung «Panorama Digital – Von der Malerei zur virtuellen Realität» im Bourbaki Panorama überprüft werden. Hier lässt Büyükberbers Team von der Forschungsgruppe Visual Narrative analoge und digitale virtuelle Welten aufeinander treffen: Ab dem 18. November beherbergt das titelgebende Panorama im Herzen Luzerns 360°-Filme und weitere visuelle Arbeiten von Design & Kunst. Das Museum möchte mit solchen Kooperationen künftig vermehrt Bezüge zu zeitgenössischen, digitalen Erzählformen schaffen. 

Das Bourbaki Panorama war das modernste Medium seiner Zeit: Edouard Castres’ riesiges Rundbild von 1881, das die Flucht französischer Truppen in die Schweiz zeigt, vermittelte dem Publikum das Gefühl, Geschichte mitzuerleben. «Das Panorama kann als Vorläufer des 360°-Films betrachtet werden», erläutert Irène Cramm, Leiterin des Museums Bourbaki Panorama. «Man kreierte damit eine Art virtuelle Realität, indem man das gemalte Rundbild mit räumlichen Elementen wie lebensgrossen Soldaten-Figuren, dem sogenannten faux terrain, kombinierte.»

Gemeinsam mit SRF 360°-Filme erforschen

Die Besucherinnen und Besucher der Ausstellung erhalten nicht nur Einblicke in verschiedene Formen virtueller Realitäten; mittels Virtual-Reality-Brillen oder Smartphones können sie einige der Exponate auch selbst testen – beispielsweise «Täglicher Kampf um Menschenleben – 360°-Video aus dem Schockraum». Der Kurzfilm von Christophe Merkle, Absolvent des Master-Studiengangs Film, ist Teil eines von der Kommission für Technologie und Innovation des Bundes geförderten Projekts. Darin erforschen die Hochschule Luzern und das Schweizer Fernsehen SRF gemeinsam, wie Filmschaffende das junge Medium einsetzen können, um Geschichten zu erzählen. 

Das Forschungsteam von Design & Kunst wird in den nächsten anderthalb Jahren deshalb mit SRF ein Nachschlagewerk für entsprechende Film-Produktionen kreieren. Dieses soll die Basis für ein 360°-Film-Wiki mit internationaler Ausstrahlung bilden. Ziel ist, dem Schweizer Fernsehen ein Fundament für das Medium zu liefern, während die Forschenden der Hochschule Luzern ihre Erkenntnisse fortlaufend in der Praxis überprüfen können.

Wie verändert die Digitalisierung die Medienwelt?

Im Rahmen des 140-Jahr-Jubiläums des Departements Design & Kunst organisiert die Forschungsgruppe Visual Narrative zudem die Fachtagung «Display, Disruption, Disorder: Neue Formate, Akteure und Orte des Films». Am 17. und 18. November diskutieren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Departements-Standort Viscosistadt den Einfluss der Digitalisierung auf Medienproduktion und -konsum. Die Schwerpunkte der Fachtagung liegen auf dem 360°-Film und der sogenannten Augmented Reality (erweiterte Realität), in der Informationen über die Umgebung direkt auf Smartphones oder Tablets eingespielt werden. 

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Link und Downloads

  • Medienmitteilung vom 8. November 2017 Virtuelle Welten im Bourbaki Panorama

    (183.8 KB) .PDF 

  • Artikel über das 360°-Filmprojekt im Hochschulmagazin 3/2017

  • Bild 1: Filmstill «Täglicher Kampf um Menschenleben», zvg Christophe Merkle, Hochschule Luzern

    (1.5 MB) .JPG 

  • Bild 2: Still «Flow», zvg Patrick Portmann, Hochschule Luzern

    (5.1 MB) .JPG 

  • Bild 3: VR-Comic «Mittendrin», zvg Zoe Röllin, Hochschule Luzern

    (282.8 KB) .PNG 

Kategorie: Medienmitteilung, News
Hochschule Luzern, Design Film Kunst, Forschung, CC Visuelle Erzählung, Medienstelle
Themen: Visual Narrative, Wandel der Kommunikation, Kommunikation mit Bildern, Visuelle Kommunikation, Bewegtes Bild, Design, Kunst, Musik und Kultur, Digitalisierung, Film, Design

Ausstellung «Panorama Digital – Von der Malerei zur virtuellen Realität»

18. November – 3. Dezember 2017

Ort: Bourbaki Panorama, 6003 Luzern
Öffnungszeiten: Montag bis Sonntag 10:00 bis 17:00 Uhr
Vernissage: 17. November 2017, 18:00 Uhr; Begrüssung Dominik Landwehr, Migros Kulturprozent, Irène Cramm, Museumsleiterin Bourbaki Panorama
Öffentliche Führungen: Am Mittwoch, 22. November, 18:00-19:00 Uhr und am Sonntag, 3. Dezember, 11:00-12:00 Uhr, jeweils mit Irène Cramm, Museumsleiterin Bourbaki Panorama und Christophe Merkle, wiss. Assistent, Kompetenzzentrum Visual Narrative, Hochschule Luzern – Design & Kunst
Weitere Informationen unter www.hslu.ch/360grad und www.bourbakipanorama.ch 

Fachtagung «Display, Disruption, Disorder: Neue Formate, Akteure und Orte des Films»

Ort und Datum: Bau 745 Viscosistadt, 17./18. November 2017
Weitere Informationen zur Fachtagung und zum Jubiläum unter www.hslu.ch/dk140jahre

Kontakt

Irène Cramm

Museumsleiterin Bourbaki Panorama

+41 41 412 30 30

E-Mail anzeigen

Medienführung durch die Ausstellung

17. November 2017, 11 Uhr; um Anmeldung bei Frau Büyükberber oder Frau Cramm wird gebeten.

FH Zentralschweiz

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