»Zuhören«
Dass wir zuhören sollen, wird uns schon seit der frühesten Kindheit gesagt. Und auch in der Schule und Ausbildung mussten und müssen wir vor allem eins: zuhören. Die Aufmerksamkeit gilt meist den Sprechenden: bei in Rhetorik-Kursen geschulten Reden, in TED-Talks, Ansprachen usw. Doch eine ganze Reihe von Ratgebern hat das Thema inzwischen jenseits von zielgerichteter Kommunikation entdeckt und Zuhören vor allem als aktive Tätigkeit definiert. Konzentriertes und aufmerksames Zuhören lässt uns das Gegenüber und unsere Umwelt neu entdecken. Die Nachfrage nach diesem Thema ist kein Zufall, fördern doch die Echokammern der sozialen Netzwerke vor allem das Herausposaunen von Meinungen, Zuhören wird hier in Nummern von Likes und Followern ausgedrückt.
Bei einer «Politik des Zuhörens» geht es jenseits von Achtsamkeit gar nicht nur um uns als Zuhörende. Zuhören kann dann nämlich auch bedeuten zu schweigen und den Raum für andere Personen und ihre Ansichten zu öffnen und damit auch zu hinterfragen, wem sonst eigentlich zugehört wird und wem nicht. Zuhören bedeutet dann nicht die Übernahme von Ansichten, sondern zu erfahren, wie Andere die Welt verstehen.
Mit dieser Vielschichtigkeit des Zuhörens wollen wir uns während des diesjährigen Colabors beschäftigen. Dabei können wir erleben, mit welchen Techniken der Umwelt zugehört wird und wie mit diesen Tönen Musik entsteht. Wir lauschen auf Audiowalks und in Konzerten. Und setzen uns in co-listening-sessions mit dekolonialen Praktiken des Zuhörens auseinander.