Ein wachsendes Segment des gegenwärtigen Erzählkinos versucht, die subjektive Wahrnehmung von Filmprotagonist:innen für das Publikum erfahrbar zu machen. Dies führt zu einer affektiven, nonverbalen Innerlichkeit, die auf audiovisuellen Eindrücken basiert, anstatt Gedanken, Gefühle, oder Motivationen anhand einer inneren Stimme und emotional codierter Musik zu artikulieren. Ermöglicht wurde eine solch nonverbale, audiovisuelle Ästhetik unter anderem dank technologischer Entwicklungen und dem damit einhergehenden Trend zu einer musikalischen Konzeption von Spielfilmen im 21. Jahrhundert. In den letzten Jahren wurden viele Elemente dieser ästhetischen Umwälzung in verschiedenen Zusammenhängen von der Forschung aufgegriffen, jedoch nie mit dem primären Fokus auf der subjektiven Wahrnehmung von Filmfiguren.
Das Ziel von Oswald Itens Dissertation besteht deshalb darin, jene auditive Ästhetik zu beschreiben, welche zur Vermittlung einer solchen erfahrungsbezogenen Subjektivität («experiential subjectivity») in zeitgenössischen filmischen Ich-Erzählungen beiträgt. Die sprachliche Vermittlung von audiovisuellen Feinheiten wird oft dadurch erschwert, dass die Leser:innen nicht zwingend mit den sinnlichen und erlebnisbezogenen Aspekten des Studienobjekts vertraut sind. Das sekundäre Ziel dieses PhD-Projekts ist es daher, die explorative Videografie als Methode für die qualitative empirische Erforschung des Filmtons und der Bild-Ton-Beziehung zu etablieren.