Im praxisbasierten Forschungsprojekt «Die Andere|Mutter» geht es um das emanzipatorische Potenzial von Performancekunst zur (Um-)Gestaltung alltäglicher Prozesse. Ausgehend von ihrer eigenen Situiertheit als Künstlerin, Mutter und queere Frau untersucht Linda Luv alltägliche Fürsorge als widerständige, performative Handlung. Im Zentrum stehen Momente der Erschöpfung, Überforderung und des in-die-Enge-getrieben-Seins, in denen gesellschaftliche Rollen und normative Erwartungen körperlich spürbar werden. Luv begegnet diesen Erfahrungen mit performativen Eingriffen, die bestehende Ordnungen verUnordnen und neue Handlungsspielräume eröffnen.
Die eigene Lebensrealität wird dabei zum Ausgangspunkt einer künstlerischen Forschung. Autobiografische Erfahrungen, queer-feministische Theorie, poetisches Schreiben, Beobachtungen und Performances verbinden sich zu einer künstlerischen Forschung, in der Performance zugleich Methode und Möglichkeit der Veränderung wird. Das zentrale Ergebnis materialisiert sich in einem 35 × 35 cm großen Holzschuber mit vier Arbeiten: einem Buch, einem bestickten Taschentuch, einem Dinkelkissen und einer Schallplatte. Damit überführt Luv die Prozesse der Forschung in eine vielschichtige, performative Form des Lesens.