Lorena Mayer, Bachelor Illustration Non-Fiction – hundert durch vier mal drei
Uma ist schwanger, ihr ungeborenes Kind erhält die Diagnose Trisomie 21. Während die siebenjährige Mo durch die Wohnung jagt, krabbeln Ameisen durchs Wohnzimmer. In «hundert durch vier mal drei» verwebt Lorena Mayer grosse Fragen und kleine Alltagsmomente einer Familie. Die Jury würdigt den reflektierten Umgang mit einem sensiblen Thema sowie die filmisch anmutende Dramaturgie aus Wiederholungen und Nahaufnahmen.
Niels Baumgartner, Bachelor Data Design + Art – Duty Free
Ein achtstündiger Privatjet-Flug von Orlando nach Paris verursacht 38'953 kg CO₂ und kostet über 40'000 Franken. In «Duty Free» übersetzt Niels Baumgartner öffentlich zugängliche Flugdaten eindrücklich ins Digitale und Physische. Die Installation macht globale Flugbewegungen sichtbar und regt zur Auseinandersetzung mit Eliten, Luftverschmutzung und irreversiblen ökologischen Kosten an. Die Jury würdigt die kohärente und präzise visuelle Umsetzung.
Katja Monti-Mosimann, Bachelor Illustration Fiction – Hoffnung und Zwang
In «Hoffnung und Zwang» nimmt Katja Monti-Mosimann das Publikum mit auf eine lange Schiffsreise nach Amerika. Die Arbeit erzählt von Schweizer Familien, die Mitte des 19. Jahrhunderts Hunger und Armut hinter sich liessen und nach Westen aufbrachen. Geschickt verbindet sie persönliche Emigrationsgeschichten mit wirtschaftlichen und historischen Hintergründen. Die Jury würdigt die sorgfältige Recherche, den überzeugenden Spannungsbogen und die professionelle Umsetzung.
Rebekka Nitsch, Bachelor Objektdesign – untamed objects
In «Untamed Objekt» sucht Rebekka Nitsch nach einer Formsprache jenseits patriarchaler Strukturen. Ausgehend von Alltagsobjekten wie Handmixer und Holzbohrer öffnet die Arbeit durch 3D-Druck-Blasen einen explorativen Raum. Entstanden ist eine Sammlung komischer, ungezähmter Objekte, die sich von Raster, Kontrolle und Funktion lösen und Fragen von Mehrgendrigkeit verhandeln.
Livia Stucki, Bachelor Graphic Design – Corrupting Consumption
Lassen Sie sich von auffälligen Bildern oder dem Satz «Nur noch wenige Stücke verfügbar» täuschen? Mit der von Livia Stucki entwickelten Browserextension passiert ihnen das nicht mehr. Denn diese macht sogenannte dark patterns, auf Deutsch manipulative Designelemente, in Onlineshops sichtbar. Die Jury ist überzeugt von der Eigenständigkeit der Arbeit und zeigt sich überrascht vom aktivistischen Eingriff der Designerin im kommerziellen Raum. Livia Stucki hat ein kritisches Designwerkzeug für digitale Verkaufsräume geschaffen und macht sichtbar, dass die Oberflächen von Onlineshops hinterfragt werden sollen.
Elena Zihlmann, Bachelor Camera Arts – A Murder of Crows
In «A Murder of Crows» untersucht Elena Zihlmann, wie Faszination für Wildtiere in Abwehr umschlagen kann. Ausgehend von eigenen Beobachtungen von Rabenvögeln zeigt sie in einer Mischung aus Studio- und Reportagefotografie das menschliche Verlangen nach Kontrolle. Die Jury würdigt die hohe Qualität der Prints sowie die reflektierte künstlerische Haltung und unterstützt die geplante Weiterentwicklung der Arbeit.
Die Förderpreise gehen an:
Ella Buhofer, Bachelor Kunst & Vermittlung – To find an Authentic Girl
In «To find an Authentic Girl» setzt sich Ella Buhofer mit patriarchalen Idealen von Femininität auseinander. Ausgehend vom Märchen der Prinzessin auf der Erbse verwandelt ihre Performance die Erbse vom Symbol des Leidens in ein Spielzeug der Aneignung. So entsteht ein Raum, in dem Femininität dem männlichen Blick entzogen und selbstbestimmt verhandelt wird.
Livia Stucki, Bachelor Graphic Design – Corrupting Consumption
In «Corrupting Consumption» untersucht Livia Stucki manipulative Mechanismen in digitalen Verkaufsräumen. Ihre Browser-Erweiterung macht sogenannte Dark Patterns sichtbar und stört gezielt die ökonomische Logik von Online-Shops. So wird sie zu einem kritischen Werkzeug, das Konsument informiert und zum Hinterfragen digitaler Kaufanreize anregt.
Anna Lisa Rompietti, Master Kunst – Familie im Auto transportieren
In «Familie Im Auto Transportieren» erzählt Annalisa Rompietti die Geschichte ihrer Familie über deren gemeinsame Liebe zu roten Fiats. Eine Reise von Vater und Tochter nach Turin wird zur Suche nach Original-Sitzpolstern und zugleich zum Raum für Gespräche zwischen zwei Generationen. Feinfühlig und humorvoll verbindet die begehbare Videoarbeit dokumentarische und fiktive Elemente.
Moritz Stuker, Bachelor Video – Chi Cava?
In «Chi Cava?» erzählt Moritz Stuker von Nuno, der mit anderen Arbeitsmigranten in einem abgelegenen Tessiner Tal Granit abbaut. Der Film zeigt eine Gemeinschaft, die von harter, staubiger Arbeit und der Distanz zur Heimat geprägt ist. Dabei stellt er die Frage, welche Spuren dieser Arbeit in den polierten Steinböden zurückbleiben.
Valentina Röschli, Master Design – Unfinished – The museum of lifelong learning
In «Unfinished – The museum of lifelong learning» entwickelt Valentina Röschli ein kuratorisches und edukatives Konzept für lebenslanges Lernen. In Museen und sozialen Räumen reflektieren Besucher ihre Lernbedürfnisse, entdecken ihren Lerntyp und erhalten Werkzeuge für berufliche Übergänge. Die Arbeit schafft einen kritischen Raum für persönliche Entwicklung und gesellschaftliche Resilienz.
Der Förderpreis geht in diesem Jahr an:
Hanna Risberg, Zürich, Bachelor Data Design + Art – AI Colonialism and the Hidden Workers
Der Förderpreis geht in diesem Jahr an Corina Holderegger, Waldstatt (AR), Bachelor Graphic Design: radstoff
Sherin Keller, Pfäffikon (SZ), Bachelor Objektdesign – «Sitta+»
In ihrer Abschlussarbeit «Sitta+» entwickelt Shirin Keller ein verstellbares System, das an bestehende Schulstühle montiert werden kann. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass typische Schulstühle für Kinder mit Kleinwuchs oft nicht passen und Sonderlösungen zu Ausgrenzung, Stigmatisierung und zusätzlichem Aufwand führen können. Das aus 3D-Druck bestehende System lässt sich an unterschiedliche Bedürfnisse oder Wachstumsphasen anpassen. Dadurch kann Sitta+ nicht nur einzelne Kinder unterstützen, sondern sich auch für ganze Klassen eignen. Die Arbeit verbindet gestalterische und funktionale Präzision mit einem inklusiven Anspruch und leistet einen Beitrag zu weniger Ungleichheiten.
Die Preise gehen in diesem Jahr an:
Hanna Risberg, Zürich, Bachelor Data Design + Art – AI Colonialism and the Hidden Workers
Die Arbeit macht sichtbar, was in den Erzählungen rund um künstliche Intelligenz oft verborgen bleibt: die repetitive, schlecht bezahlte Arbeit von Millionen Datenarbeiter:innen, ohne die KI-Systeme nicht funktionieren würden. Hanna Risberg verbindet globale Daten von Arbeitsplattformen mit individuellen Erfahrungen von Arbeiter:innen.
Regula Schläppi, Bern, Master Kunst – Have we met?
Im Zentrum von Regula Schäppis Arbeit steht die Brennnessel, anhand derer sie Wachstum, Zeitrhythmen, Kommunikationsformen und ökologische Verflechtungen untersucht. Tastend und aufmerksam verlässt die Künstlerin vertraute Ordnungen und stellt das objektbezogene Bild der Natur infrage.