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Mein sozialer Alltag Danny Wey Publikation SA Februar 2015

«Zurücklehnen ist nichts für mich.»


Aufzeichnung: Flavia Dubach


Danny Wey arbeitete als Stationsleiter im Inselspital Bern. Nach der Ausbildung zum Pflegefachmann in Belgien absolvierte der ambitionierte Vater von zwei Kindern eine Weiterbildung in Intensivpflege und den Studiengang MAS Management im Gesundheits- und Sozialbereich an der Hochschule Luzern – Soziale Arbeit. 

«Direkt nach meiner Ausbildung zum Pflegefachmann in meinem Heimatland Belgien bin ich im Jahr 2000 gemeinsam mit einem Kollegen in die Schweiz gekommen. Dies hatte verschiedene Gründe: Einerseits sind die Arbeitsbedingungen in der Schweiz viel besser und die finanziellen Ressourcen im Gesundheitswesen sind wesentlich grösser als in Belgien. Andererseits hat mich die Landschaft mit den vielen Bergen gereizt. Zudem wohnte meine Schwester schon in der Schweiz. Dies erleichterte mir den Schritt, ins Ausland zu gehen, sehr.

Mein Kollege und ich erhielten beide eine Stelle in der Medizinabteilung des Kantonsspitals Fribourg. Eineinhalb Jahre später wechselte ich zu meinem heutigen Arbeitgeber und begann die zweijährige Weiterbildung für Intensivpflege. Nach einigen Jahren im Intensivbereich suchte ich eine neue Herausforderung und erhielt im Juli 2009 die Chance, die Leitung der kardiologischen Intermediate Care Station zu übernehmen. Eine Arbeit, die mir auch heute noch sehr viel Spass macht.

Durch meine neue Aufgabe als Leiter einer Abteilung mit über 30 Mitarbeitenden stiegen die Anforderungen an meine Management-Kompetenzen und ich suchte nach einem passenden Weiterbildungsangebot. Der MAS Management im Sozial- und Gesundheitsbereich an der Hochschule Luzern – Soziale Arbeit überzeugte mich vor allem deshalb, weil er speziell auf den Gesundheits- und Sozialbereich zugeschnitten ist. Es war für mich sehr hilfreich, dass meine Praxisbeispiele aufgenommen und verstanden wurden. Die Dozierenden schilderten Situationen, die für mich nachvollziehbar waren, so konnte ich Einiges für meinen Berufsalltag mitnehmen.

Während des Studiengangs lernte ich sehr viel über mich selbst und konnte meine Auftrittskompetenz verbessern – vor allem auch dank des individuellen Coachings. Das empfand ich als äusserst hilfreich. In den Bereichen Controlling und Finanzen, die vorher eher abstrakt waren für mich, eignete ich mir einiges Wissen an. Ich lernte Strategien kennen, um schwierige Situationen schneller zu erfassen und professioneller anzugehen. Die verbesserten Kompetenzen auf den verschiedenen Ebenen helfen mir dabei, meine Mitarbeitenden zu fördern und zu fordern.

Die Diversity in meinem Team ist gross. Einerseits empfinde ich das als Bereicherung, andererseits ist es eine Herausforderung, allen Bedürfnissen gerecht zu werden. Ich motiviere vor allem die jüngeren Mitarbeitenden, sich fachlich das nötige Know-How anzueignen. So kann ich sie in ihrer persönlichen Entwicklung unterstützen. Es hilft aber auch unserer Klinik für Kardiologie und Angiologie, wenn wir gut ausgebildetes Fachpersonal haben und der Wissenstransfer gesichert ist. Momentan bilden sich sieben Mitarbeitende aus meinem Team in den Bereichen Rhytmologie und Überwachung kritisch kranker Patientinnen und Patienten weiter.

Meine tägliche Arbeit ist sehr abwechslungsreich: Neben vielen konzeptionellen Tätigkeiten und der Personalrekrutierung und -führung nehme ich mir auch Zeit für die Arbeit am Patientenbett. In der Kardiologie behandeln wir Patientinnen und Patienten mit den unterschiedlichsten Krankheitsbildern. Dies ist ausserordentlich spannend, vor allem wenn Aspekte der Spitzenmedizin mit einfliessen. Wir werden aber auch immer wieder mit Todesfällen oder Reanimationssituationen konfrontiert. Dies sind belastende und berührende Momente für das Pflegeteam. Wenn eine Patientin oder ein Patient sich dann aber rasch wieder erholt und ins Leben zurückfindet, sind das Erfahrungen, die einem in positiver Erinnerung bleiben.

Es war eine grosse Herausforderung für mich, neben dieser Arbeit, die mir sehr viel abverlangt, noch eine anspruchsvolle Weiterbildung zu belegen – zumal ich zu Hause zwei kleine Kinder habe. Dank der grossen Unterstützung meines Umfeldes und dem Wissen, dass der Zeitraum der Weiterbildung begrenzt ist, habe ich es dann aber trotzdem geschafft. Kurz nach Abschluss des MAS sagte ich mir noch, dass es jetzt reicht mit Weiterbildungen. Aber nun, nur einige Monate später, überlege ich bereits wieder, was ich noch machen könnte. Denn ich bin nicht der Mensch, der sich zurücklehnt.»