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Doris Barmettler Mein sozialer Alltag

«Die Jugendlichen fordern mich immer wieder neu heraus»

Aufzeichnung: Isabel Baumberger


Doris Barmettler arbeitete im Februar 2014  beim Zentrum für Brückenangebote des Kantons Luzern, wo sie Jugendliche bei der Suche nach einer Lehrstelle beriet und unterstützte. Sie absolvierte an der Hochschule Luzern das CAS Job Coaching – Supported Employment.


«Mir ging es damals bei der Berufswahl ähnlich wie einem Teil der Jugendlichen, die ich heute betreue, denn ich wusste auch nicht so recht, was ich nach der Oberstufe wollte: eine Berufslehre anfangen oder weiter in die Schule gehen? Wenn ja, mit welchem Ziel? Ich entschied mich für die kaufmännische Grundausbildung an einer Diplomhandelsschule und später für eine berufsbegleitende Fachhochschulausbildung in Sozialpädagogik. Danach folgte das Aufbaustudium in Sozialer Arbeit.


Die Arbeit mit Jugendlichen hat mir schon immer besonders gefallen. Zunächst sammelte ich Erfahrungen in Heimen und in der Arbeit mit Suchtbetroffenen, suchte dann aber ein Tätigkeitsfeld, bei der die jugendliche Klientel breiter gefächert ist. Seit zehn Jahren arbeite ich jetzt hier im Zentrum für Brückenangebote, wo wir Schulabgängerinnen und Schulabgänger beim Einstieg in die Berufswelt ein Jahr lang unterstützen und coachen.


Mein Arbeitstag ist vielfältig. Nehmen wir zum Beispiel den Montag: Morgens coache ich eine Gruppe bei ihren Bewerbungen. Manche Jugendliche, die zu uns kommen, haben damit nur wenig Erfahrung. Andere tragen nach vielen vergeblichen Bemühungen Ängste und Frustrationen mit sich herum und trauen sich kaum noch etwas zu. Etlichen fällt es schwer, sich schriftlich auszudrücken, oder ihre Berufswahl ist noch nicht gefestigt. Sie brauchen zu Beginn viel Unterstützung, zum Beispiel bei der eigenständigen Formulierung ihrer persönlichen Motivation für einen bestimmten Berufswunsch. Manche Jugendliche schaffen anfangs pro Montagmorgen lediglich eine einzige Bewerbung – später geht es dann flotter. Trotzdem gerät die Suche nach einer Schnupperlehre, einem Praktikum oder einer Lehrstelle manchmal ins Stocken. Deshalb ermutige ich die Jugendlichen von Anfang an darin, sich nicht auf einen einzigen Weg zu versteifen, sondern kreativ zu sein und nach Alternativen Ausschau zu halten.


Nachmittags mache ich häufig telefonische Abklärungen bei Arbeitgebern: Wie verlief die Schnupperlehre von X? Zeichnet sich für Y die Möglichkeit eines Praktikums ab? Worauf muss Z in der Schnupperlehre achten? Hie und da gehe ich in einem Betrieb vorbei, denn im persönlichen Gespräch lässt sich vieles unkompliziert klären und manchmal auch eine neue Lehrstelle oder ein Praktikumsplatz akquirieren. Auch die Elternarbeit ist mir sehr wichtig, damit alle Beteiligten sich über die Ziele einig sind und die Jugendlichen nicht zwischen verschiedenen Ansprüchen aufgerieben werden. Ebenso pflege ich einen regen Austausch mit dem weiteren Umfeld der Jugendlichen – Lehrpersonen, Beistände, Therapeutinnen, Sozialberater, Fachpersonen bei der IV –, um gemeinsam bestmögliche Lösungswege zu finden.


Im Einzelcoaching geht es dann unter anderem darum, die Jugendlichen nach Absagen wieder aufzurichten und ihnen beim Umgang mit Schwierigkeiten behilflich zu sein. Viele tun sich recht schwer mit den Ansprüchen der Berufswelt, und wir arbeiten miteinander an Themen wie Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, gepflegtes Auftreten, Genauigkeit oder Ausdauer. Es ist mir wichtig, ihnen klarzumachen, dass sie nur vorankommen, wenn sie Verantwortung für ihr Handeln übernehmen.


Mich interessiert die Individualität der Jugendlichen und auch ihre oft überraschende Wandlungsfähigkeit. Besonders freue ich mich natürlich, wenn jemand, der am Anfang grosse Schwierigkeiten hatte, im Lauf der Arbeit plötzlich ‹den Knopf auftut› und seinen Weg findet. Oder wenn in einem Betrieb eine neue Lehrstelle geschaffen wird, weil die Zusammenarbeit mit einem oder einer unserer Jugendlichen so gut geklappt hat.


Das sind Highlights in meiner Arbeit, die mir auch deshalb gut gefällt, weil sie sich ständig verändert. Denn nicht nur die Jugendlichen fordern mich immer wieder neu heraus, sondern auch die Arbeitswelt erfordert eine permanente Überprüfung und Abstimmung unserer Angebote.»