Kreditrisikomessung privater Hypothekarschuldner
Bei privaten Hypothekarschuldnern wird das Risiko eines Zahlungsausfalls durch zwei Risikofaktoren massgeblich beeinflusst: Einkommenseinbussen resp. Einkommensausfälle sowie Zinsschocks. Bei einem Verkauf der Liegenschaft ist die Wertentwicklung des Wohneigentums ein weiterer Risikofaktor.
Tragbarkeit und Belehnung sind keine statischen Grössen
Bei der Hypothekarvergabe gilt die bezüglich der Risikoeinschätzung konservative goldene Faustregel, dass die Tragbarkeit einen Drittel vom Einkommen nicht überschreiten und die Belehnungshöhe nicht grösser als 80 Prozent sein darf. Tragbarkeit und Belehnung sind die wichtigsten Risikoindikatoren. Bei der Hypothekarvergabe sind diese Grössen einfach zu ermitteln. Sie können sich jedoch aufgrund von makroökonomischen und soziodemografischen Schocks stark verändern. Während der Laufzeit des Kreditsvertrages werden die kundenspezifischen Daten jedoch im Normalfall nicht aktualisiert, solange der Kunde pünktlich die Zinsen bezahlt. Eine Beurteilung des Risikos des gesamten Hypothekarportfolios auf der Basis aktueller Daten ist daher nicht möglich.
Die Wahrscheinlichkeit von Risikoszenarien schätzen
Innerhalb des Projekts «Kreditrisikomessung privater Hypothekarschuldner» wird die Frage untersucht, wie die fehlenden Informationen bezüglich der kundenspezifischen Risikofaktoren geschätzt werden können. Es sollen insbesondere Antworten bezüglich der zukünftigen Entwicklung der Tragbarkeit gefunden werden. Dazu vermögen ökonometrisch basierte Wahrscheinlichkeitsschätzungen von Risikoszenarien, zum Beispiel einer Einkommenseinbusse aufgrund von soziodemografischen Veränderungen (wie Scheidung oder Trennung) und makroökonomischen Faktoren (wirtschaftlicher Abschwung) einen wichtigen Beitrag liefern. Die Kenntnis solcher Wahrscheinlichkeiten und Szenarien erlaubt eine dynamische Schätzung der Tragbarkeit. Dynamische Schätzungen der Risikofaktoren verbessern nicht nur die Einschätzung der Bonität eines einzelnen Kunden bei der Hypothekarvergabe, sondern tragen vor allem auch zu einer risikogerechteren Schätzung der Verlusthöhe des gesamten Hypothekarportfolios einer Bank über eine bestimmte Zeitperiode bei.
Kontakt: Yvonne Seiler

