Szenarienmethodik im architektonischen Planungsprozess (2011–2012)
Nachhaltige Gebäude und Quartiere verfügen über ein hohes Anpassungspotenzial und sind dadurch über einen langen Zeitraum wertbeständig. Dabei müssen Planende sich gezielt mit zukünftigen Entwicklungen auseinandersetzen, stossen dabei jedoch zwangsläufig an ihre Grenzen: Sie können nicht die Zukunft voraussagen und müssen trotz dieser „Unschärfe“ Annahmen treffen. Der bekannte Architekt und Begründer der open building Bewegung John Habraken spricht gar von „You can't control“. Dennoch verlangt der Bauherr eine möglichst präzise Aussage über die Zukunft seiner Immobilie. Das Projekt zum Ziel, eine Übersicht über Szenarienmethodik im Planungsprozess zu erarbeiten, Potenziale und Einsatzgebiete der Szenarienmethodik für aF+E, Lehre, Weiterbildung und Dienstleistung aufzuzeigen und eine Strategie für die Implementierung der Szenarienmethodik zu skizzieren. Hierfür werden Experten aus dem Bereich der Szenarienmethodik aus verschiedenen Fachbereichen befragt und Literatur ausgewertet. Szenarien werden künftig in der Planung vermehrt eine Rolle spielen. Jüngstes Beispiel sind die in der Öffentlichkeit diskutierten Energieszenarien des Bundes (BFE; 2010). Auch in der Architektur sollten Szenarien bei der Planung von nachhaltigen Gebäuden und Quartieren häufiger zum Einsatz kommen, gilt es doch einen über einen möglichst langen Zeitraum gültigen Werterhalt der Immobilie anzustreben. Das heisst, Planende und Forschende müssen sich gezielt mit zukünftigen Entwicklungen in der Architektur auseinandersetzen. Was beeinflusst zukünftig unsere Gebäude und Quartiere? Wie werden zukünftig unsere Gebäude und Quartiere genutzt werden? Das sind nur zwei Fragen von vielen, die sich im Planungsprozess und Forschungsalltag stellen.
Die Arbeit mit Szenarien ist im Planungsalltag noch nicht verankert. Häufig basieren Szenarien auf mathematischen Rechenmodellen, die nur schwer vermittelbar sind und für die Planung von nachhaltigen Gebäuden und Quartieren zu abstrakt sind. Nur wenige Büros, wie z.B. das weltweit führende interdisziplinäre Ingenieurbüro Ove Arup, arbeiten mit Szenarien, die Konsequenzen für Nutzende, Gebäude und Quartiere systematisch erfassen („drivers of change") und konkrete Planungsaussagen ermöglichen. Darüber hinaus bietet auch die Methode des „design thinking" methodische Ansätze wie der Blick in die Zukunft gewagt werden kann.
Kontakt: Prof. Dr. Peter Schwehr


