
2011 - Animation zwischen Geschäft und Kunst
Rückblick der Lucerne International Animation Academy (LIAA) 2011
Die zweite Ausgabe der Lucerne International Animation Academy fand vom 7.- 9. Dezember 2011 im Stattkino Luzern statt. Die Tagung widmete sich mit dem Thema „Animation zwischen Geschäft und Kunst. Zur Geschichte des Animierten Werbe- und Industriefilms in der Schweiz.“ dem heimischen Filmschaffen. Vierzehn eingeladene Gäste stellten in Vorträgen und Panelgesprächen Aspekte des auftragsbasierten Animationsfilmschaffens vor.
An der Tagung konnte die Bedeutung des Auftragsfilms als Dreh- und Angelpunkt des animierten Genres nicht nur in der Schweiz, sondern in ganz Europa bestätigt werden. Weiter kristallisierte sich heraus, dass Werbe-Animationsfilme nur ungenügend untersucht werden können, da kaum Filme archiviert wurden. Die meisten gezeigten Filme im Programm stammten aus privater Hand und nicht aus Filmarchiven. Grosse Teile des Schweizer Animationsfilmschaffens sind bereits verloren.
Der Eröffnungsabend war dem frühen Animationsfilm ab 1920 gewidmet und wurde mit einem Vortrag von Prof. Dr. Martin Loiperdinger (Trier) eingeleitet. In seinen Ausführungen wurde vor allem das geschäftstüchtige „Genie“ von Julius Pinschewer deutlich. Im darauffolgenden Filmprogramm zeigte sich die Virtuosität seines Schaffens. Weitere Entdeckungen des Abends waren Beispiele des Schaffens von Werner Dressler und Werke aus dem Studio von Charles Blanc-Gatti, die bisher unbekannt geblieben waren.
Der zweite Tag der LIAA stand unter dem Thema „Der zweite Boom ab 1965“. Die eingeladenen Gäste Verena Doelker-Tobler, Bruno Edera, Robi Engler und Peter Harrer führten in ihren jeweiligen Tätigkeits- und Kompetenzbereich ein, während der Gründer des Werbefilmabteilung Condor Commercials Martin Fueter in der abendlichen Paneldiskussion einen Einblick in die kommerziellen Entwicklungen im Auftragsbereich des Animationsfilms gab. Aufbruchsstimmung, die Entstehung neuer Chancen, die Entwicklung des Trickfilms als Bildungsmedium und gleichzeitig grosse Freiheiten und Unsicherheiten kennzeichnen diese Periode. Das Animationsfilmschaffen erhielt, vor allem in der Kinder und Jugendbildung, aber auch als Informationsmittel in politischen Sendungen eine wichtige Stellung und doch waren die institutionellen Rahmenbedingungen noch weitgehend ungefestigt. Das Fernsehen war direkter Ursprung für einen Teil des Booms von Animationsfilmateliers in den 1960er und 1970er Jahren, denn die Einführung von Fernsehwerbung wirkte sich sehr bald positiv auf die Auftragslage (allerdings nicht nur im Animationsfilm) aus.
Der dritte Tag näherte sich daraufhin der Jetzt-Zeit an. Die Gäste des Tages waren Ursula Ulmi, Jonas Raeber, Marco Fischer und François Chalet, die in ihre Tätigkeiten einführten. Es wurden die Schwierigkeiten und engen finanziellen Rahmenbedingungen, aber auch die Chancen der auftragsbasierten Arbeit im Animationsfilm detaillierter behandelt. Die auftragsbasierte Arbeit im Animationsfilm kann finanziell nicht als lukrativ bezeichnet werden und sich Einzelne nur über Nischenpositionen und ihrer eigenen Handschrift ein Bekanntheitsgrad erreicht werden kann.
Bei den Forschungsrelevanten Ergebnissen der Tagung, lassen sich vier Bereiche unterscheiden:
- Zum einen belegen sowohl die Recherchen zu den Filmprogrammen als auch wiederholte Voten an der Tagung die äusserst prekäre Überlieferungssituation des Auftragsfilms. Der Aufbau eines Archives für den Aufragsfilm und damit den Erhalt von Primärquellen für die Forschung, zählt zu den zu prüfenden zukünftigen Optionen zukünftiger Anstrengungen.
- Zweitens ist mit dem Kinderanimationsfilm ein verfolgenswerter Aspekt der Filmpädagogik deutlich geworden: Der anfangs immens wichtige Bildungsgedanke bricht im Schweizer Fernsehen immer stärker weg.
- Drittens wurde durch die Diskussionen deutlich, dass die Anwendungsgebiete des Animationsfilms nicht stabil sind und zwischen Unterhaltung und Information pendeln. Der Animationsfilm, wie er in der zweiten Periode sichtbar wurde, beschäftigte sich vornehmlich mit der Darstellung von komplexen Prozessen oder Systemen, der Informationsaufbereitung und auf visuelle Effekte. Darüberhinaus war seine Domäne die Darstellung von Fabel- und Märchenhaftem, die sich vornehmlich in der animation unbelebter Gegenstände zeigt.
- Viertens konnten neue Verwendungsbereiche für den Animationsfilm ausserhalb der traditionellen Kanäle ausgemacht werden. (Wartesääle, E-books, Bildschirmschoner, Hausfassaden, etc.)
Weitere Informationen erhalten Sie auf: www.liaa.hslu.ch
Bericht über die LIAA 2009 im Animation World Network
Kontakt
Lucerne International Animation Academy
Hochschule Luzern - Design & Kunst
Fred Truniger
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