Nominierte Abschlussarbeit Illustration, Fiction
Philip Schaufelberger
Hier. Dort. Diese Strasse.
Begründung Nomination
Verantwortung
Ausgehend vom Wunsch Clichés bei der Darstellung von fiktionalen Charakteren zu vermeiden, begann der Autor zum Thema Zwangsprostitution zu recherchieren. Zu Beginn stand die Idee, ein Drehbuch zu einem Comic, basierend auf einer umfassenden Recherche, zu schreiben. Es sollte keineswegs ein autobiografisches Werk werden.Die nun von der Jury ausgewählte Arbeit ist einerseits der Abschluss eines langen gestalterischen und inhaltlichen Findungsprozesses und andererseits der Anfang eines wesentlich grössren Werkes dessen angestrebter Umfang den Rahmen einer THESIS sprengt.
Stand am Anfang der Wunsch, ein Szenario zu schreiben und als Comic umzusetzen, so wurde im Verlauf der Arbeit zusehends die Recherche zum eigentlichen Thema.
Neben der klassischen akademischen literarischen und medialen Recherche in Büchern, Internet, Filmen, Zeitungsartikeln begann der Autor mit einer eigenen Recherche, bei der er sich der Beschränkung als interessierter Laie sehr bewusst bleibt. Auf der Suche nach Orten, Menschen und Begegnungen reist er von Moldavien, über Rumänien nach Bosnien, führt Interviews mit diversen Menschen und Akteuren.
Relevanz
Das Thema Prostitution und Zwangsprostitution wird in einem grösseren politischen und ökonomischen Kontextverstanden - die Frau als Ware und Gebrauchsgegenstand, die brutale Logik einer ökonomischen Doktrin, in welcher Not und Zwang das Schicksal der einzelnen Person bestimmen,- diese Themen werden anhand von Gesprächen mit einzelnen Beteiligten menschlich und nachvollziehbar vorgeführt.Innovationspotential
Neben der klassischen akademischen literarischen und medialen Recherche in Büchern, Internet, Filmen, Zeitungsartikeln begann der Autor mit einer eigenen Recherche, bei der er sich der Beschränkung als interessierter Laie sehr bewusst bleibt. Auf der Suche nach Orten, Menschen und Begegnungen reist er von Moldavien, über Rumänien nach Bosnien, führt Interviews mit diversen Menschen und Akteuren.
Die gestalterische Recherche ist in der vorliegenden Arbeit nachvollziehbar dargestellt, der Weg vom ursprünglichen Vorhaben durch Virtuosität zu beeindrucken hin zu dem vorliegenden Ergebnis, welches durch den sparsamen Einsatz der Mittel und einen freien Strich (ohne Vorzeichnung) eine hohe suggestive Kraft und Dichte erreicht, ist umso bemerkenswerter, als er nicht so einfach und selbstverständlich passierte.
Gestaltung
Um diese Arbeit bewerten zu können muss sie gelesen werden!Die Qualität der Arbeit erschliesst sich nicht bei oberflächlicher Durchsicht. Neben der Geschichte wird ein Prozess dokumentiert an dessen Ende der Autor zu einer sehr eigenen Bildsprache gefunden hat. Es ist eine fortgeschrittene Skizze, letzte stilistische Überarbeitungen stehen noch aus.
- Das bemerkenswerte sind Rhythmus und Timing einer peinlich genau rekonstruierten Erinnerung.
- Geschickt werden Wort- und Bildzeichen miteinander verwebt zu einem intensiven Leseerlebnis, wobei der Blick des Betrachters dem Fokus des Erzählers folgt, wie er zwischen dem Gegenüber zu kleinen Nebenschauplätzen wechselt und zurückgeht.
- Die karge Linie und die Weissräume sind von starker suggestiver Kraft. In der Kombination von Bild und Dialog wirken die Protagonisten „lebendig, authentisch“.
Der gewählte Ton ist dem Thema angemessen und die unsentimentale aber äusserst sorgfältige und schonungslos ehrliche Nacherzählung, welche frei von Opferschema und Betroffenheit, von Beschönigungen oder Verzerrungen, den dargestellten Menschen ihre Würde lässt. Das zeugt insgesamt von Reife und einer tief empfundenen Menschlichkeit und liegt weit weg von dem Vorhaben mit dem das Diplom begann.


