CC Künstlerische Materialforschung
Kunstforschung verbindet künstlerische Arbeit, ihre prozessorientierten Ansätze und ästhetischen Methoden mit wissenschaftlichen und praxisorientierten Handlungsfeldern. In der Abteilung Forschung und Entwicklung des Bereichs Kunst entstehen Projekte, bei denen künstlerische Arbeiten aktive Verknüpfungen zwischen der Kunsthochschule und der Öffentlichkeit hervorbringen. Die Forschungsprojekte nehmen ihren Ausgangspunkt in der eigenen Praxis der Künstlerinnen und Künstler. Dadurch tragen sie professionell und visionär zur Auseinandersetzung mit aktuellen gesellschaftlichen Fragestellungen bei.
Im Forschungs- und Kompetenzschwerpunkt „Künstlerische Materialforschung“ werden Werkzeuge, Medien und Materialien als Teil des künstlerischen Herstellungsprozesses untersucht und in neue Richtungen weiterentwickelt. Der Fokus liegt auf der Wahrnehmung des Zusammenspiels zwischen Handlung, Werk und Material. Zentral für die Materialforschung ist die Arbeit in den Werkstätten der Hochschule Luzern – Design & Kunst. Die Spezialgebiete der „Künstlerischen Materialforschung“ liegen in der ästhetischen und technischen Verknüpfung zwischen analogen und digitalen Mitteln in den Bereichen der Zeichnung und der Skulptur, in der Arbeit mit Pigmenten, Farbstoffen und in der Malerei sowie im Tracking und in der Reflexion des künstlerischen Arbeitsprozesses.
Leitung CC Künstlerische Materialforschung
Julie Harboe| Projekttitel | Projektbeschrieb |
Recycling & Copyright | Mit dem Prozess des Rezyklierens bearbeitet Stefan Gritsch Teile seines Werks neu. Das Projekt eröffnet Sichtweisen auf einen Mentalitätswandel im Bereich Recycling, Copyright/Autorenschaft und Zeitlichkeit. Der Kontext der Kunst leistet konkrete materielle Interpretationen bis hin zum „Forschungslabor“ für Kunstrecycling und bietet eine Grundlage, die Haltungen zu den Themen in anderen Zusammenhängen zu diskutieren und zu analysieren. 2.5 Tonnen/2 M3 Material, Acrylfarbenvolumina, bearbeitet von Stefan Gritsch, sind physische Grundlage und Ausgangspunkt des Projektes. Es sind Farbobjekte, die Stefan Gritsch seit über 20 Jahren für Installationen bearbeitet und schon als Werke zu sehen waren. Die Objekte wurden immer rezykliert und waren wieder in neuen Konstellationen zu sehen, haben neue Bedeutungen angenommen. Das Projekt reflektiert diesen künstlerischen Prozess und nimmt ihn als Ausgangspunkt zu Fragestellungen, die aktuelle (und historische) Kunstproduktion mit gesellschaftlichen Themenfelder verknüpfen. Die Forschungsuntersuchung geht tief ins Werk. Im Labor werden die Werke zerschnitten und in ganz neue Bereiche hineingeführt. Durch multiple Strategien wird das Material simultan neutralisiert, durch die Kontexte neu aufgeladen und die Autorschaft immer wieder destabilisiert. Recycling und Copyright sind als Themenfelder eng mit der gestalterischen Praxis verbunden. Die Erneuerung der alten Form ist zugleich eine Bestätigung der Verknüpfung zur Urheberschaft wie auch eine neue Grundlage für Autorschaft und Verwendungskontext. Mit diesen Grundlagen wird in der globalen und digitalen Gegenwart aber auch gearbeitet. Das Vorprojekt ortet diese Ansätze in der künstlerischen Arbeit in Zusammenhang mit Material und Öffentlichkeit. Stefan Gritsch / Nicole Marsch / Mitarbeit Julie Harboe |
SmartPen – Zeichnen Analog & Digital | Wenn der SmartPen das Papier berührt, aktiviert ein Sensor die im Stift eingebaute Infrarotkamera. Die Bewegung des Stiftes auf einem mit Koordinaten versehenen Blatt wird von der Kamera registriert. Während eine Zeichnung auf dem Papier entsteht, wird gleichzeitig eine digitale, reproduzierbare Aufnahme des Zeichnungsprozesses im Computer gespeichert. Der SmartPen stellt damit einen Kontakt her zwischen der Umsetzung einer Idee durch die analoge Handlung und die Registrierung und Speicherung auf einer Zeitachse. Das Projekt „SmartPen“ nutzt den SmartPen als Zeichnungswerkzeug, um das Zeichnen - eine zentrale künstlerische Disziplin und ein grundlegender Vorgang in Gestaltungs- und Innovationsprozessen - aus dem künstlerischen Kontext an der Schnittstelle vom Analogen zum Digitalen zu untersuchen. Ziel des Projekts ist es, die ästhetische Verwendung des Werkzeuges und den funktionalen Gebrauch mit Fragestellungen, die aus dem praktischen Alltag kommen, zu kombinieren. Das Projekt basiert auf der transdisziplinären Methode, welche wissenschaftliche, künstlerische und gesellschaftliche Kontexte zusammenführt. Das Projekt „SmartPen“ wird aufgegliedert in eine künstlerische Untersuchung, in transdisziplinäre Zusammenarbeiten in den Kontextfeldern, den so genannten Satellitprojekten, sowie in eine Verlinkung der künstlerischen Untersuchung mit den Kontextfeldern. |
Der bildhauerische Prozess im digitalen Prototyping | Das Projekt etabliert die Grundlage, um im interdisziplinären Diskurs technische und künstlerische Themen um das Prototyping zusammenzuführen. Anlehnend an die HSLU D&K „Machbarkeitsstudie Rapid 3D Digitale Entwurfsstrategien in der Kunst“ 2007 wird das Projekt mögliche künstlerische Strategien, Methoden und Anwendungsmöglichkeiten von 3D Prototyping im Entwurfsprozess, im Bereich der Bildhauerei und dreidimensionalen Gestaltung, untersuchen und aufzeigen In diesem Vorprojekt sollen Prozessabläufe und Fragestellungen mit Bezug auf das Potenzial bzw. die Grenzüberschreitungen der Technologie im Hinblick auf die künstlerische Anwendung definiert werden. Die Arbeit ist grundlegend für das darauffolgende Hauptprojekt, in dem KünstlerInnen, DesignerInnen, ArchitektInnen und IngenieurwissenschaftlerInnen, sowie Partner aus der Industrie (die in der Machbarkeitsstudie teilgenommen hatten) zusammengeführt werden, um ein interdisziplinäres und internationales Projekt in Kooperation mit dem FabLab Luzern aufzubauen. Werner Müller / Nicolas Kerksieck |
BUILDING BUILDING - das poetische Potential im «Gebäude als System» (Projekt im Rahmen des Interdisziplinären Schwerpunkts „Gebäude als System“) | Ausgangslage ist die These des IS GaS, dass an Stelle von Leitprofessionen kooperative Netzwerke von Spezialistinnen und Spezialisten treten. Während bei Strukturen mit Leitprofession das Potential zur Generierung des Poetischen in der „Definitionsmacht“ der Leitprofession liegt, so ist dieses im Entwurfsprozess kooperativer Netzwerke nicht eindeutig bestimmt. Forschungsfrage: Wo ist das poetische Potential im „Gebäude als System“? Building Building setzt das „Gebäude als System“ mit „interdisziplinärer Kunstforschung“ parallel. Diese kunstbasierte „in vitro“ Versuchsanordnung hat explorativen Charakter. Aus der Frage, wo im interdisziplinären kooperativen Netzwerk der Kunstforschung poetisches Potential liegt, lassen sich auf das „Gebäude als System“ Rückschlüsse ziehen. Solche Applikation des Poetischen auf die Forschung ist eine Folge der Entwicklung der kunstbasierten Forschung. Hier können die ästhetischen Kategorien, die durch die Kompetenzen der Kunst eingebracht werden, neue Sichten und Methoden öffnen. Erwartete relevante Erkenntnisse für die HSLU:
Für die beteiligten Disziplinen werden durch die kunstbasierten Innovationsprozesse neue, für ihre individuellen Fragen relevante, Erkenntnisse generiert. Ronny Hardliz / Alberto Alessi / Patricia Wolf / Jacqueline Holzer |

